Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Der Glaube, mehr Kundendaten führten automatisch zu mehr Umsatz, ist ein Trugschluss. Echte Konversions-Steigerungen entstehen durch ethische Personalisierung, die Vertrauen schafft, statt es zu untergraben.

  • First-Party-Data sind der neue, DSGVO-konforme Goldstandard und die Basis für vertrauensvolles Marketing.
  • Die richtige Balance zwischen Nutzen und Dateneinsatz („Zero-Creep-Marketing“) entscheidet über Akzeptanz oder Abwehr durch den Kunden.

Empfehlung: Fokussieren Sie sich auf den transparenten Wertetausch: Bieten Sie echten Mehrwert für explizit gegebene Informationen und machen Sie die DSGVO zu Ihrem Wettbewerbsvorteil.

Als CMO stehen Sie im permanenten Spannungsfeld zwischen dem Druck, die Conversion zu steigern, und der Notwendigkeit, das Vertrauen Ihrer Kunden nicht zu verspielen. Der Markt ist voll von Versprechungen über hyperpersonalisierte Kampagnen, die auf riesigen Datenmengen basieren. Die gängige Meinung lautet: Sammeln Sie so viele Daten wie möglich, um jeden Kunden individuell anzusprechen. Doch dieser Ansatz stösst im datensensiblen deutschen Markt schnell an seine Grenzen. Kunden fühlen sich verfolgt, die Akzeptanz von Tracking-Methoden sinkt, und die DSGVO setzt klare rechtliche Leitplanken.

Die ständige Jagd nach Third-Party-Daten ist ein Auslaufmodell. Das Gefühl, ein „gläserner Verfolger“ zu sein, der jeden Klick des Kunden kennt, erzeugt Misstrauen und führt im schlimmsten Fall zum Kaufabbruch. Doch was, wenn die wahre Kunst der Personalisierung nicht in der Masse der Daten liegt, sondern in der intelligenten und ethischen Nutzung weniger, aber dafür wertvollerer Informationen? Was, wenn die Lösung darin besteht, die DSGVO nicht als Hürde, sondern als Chance zu begreifen, um eine tiefere und ehrlichere Kundenbeziehung aufzubauen?

Dieser Artikel bricht mit der Vorstellung des datenhungrigen Marketings. Wir stellen das Konzept des „Zero-Creep-Marketings“ in den Mittelpunkt: eine Strategie, die auf Vertrauen, Transparenz und einem klaren Wertversprechen basiert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie durch den gezielten Einsatz von First- und Zero-Party-Data nicht nur rechtskonform agieren, sondern auch eine Personalisierung schaffen, die von Ihren Kunden als echter Service wahrgenommen wird – und nicht als Überwachung. Anhand praxisnaher Beispiele für den deutschen Mittelstand analysieren wir die richtigen Werkzeuge, die psychologischen Fallstricke und die betriebswirtschaftliche Logik hinter einer wirklich erfolgreichen Personalisierungsstrategie.

Dieser Leitfaden ist Ihr Wegweiser durch die Komplexität des modernen Marketings. Entdecken Sie, wie Sie die Balance zwischen Datenschutz und Konversion finden und Ihre Kundenbeziehungen nachhaltig stärken.

First-Party-Data statt Third-Party-Cookies: Wie sammeln Sie eigene Kundendaten?

Der Abschied von Third-Party-Cookies markiert einen fundamentalen Wandel im digitalen Marketing. Anstatt sich auf extern eingekaufte, oft ungenaue und datenschutzrechtlich bedenkliche Daten zu verlassen, rückt der direkte Draht zum Kunden in den Fokus. Die Lösung liegt in First-Party-Data: Informationen, die Ihr Unternehmen direkt vom Kunden mit dessen expliziter Zustimmung sammelt. Dies sind nicht nur Kaufhistorien oder E-Mail-Adressen, sondern auch Präferenzen, die über interaktive Tools oder Umfragen abgefragt werden (sogenannte Zero-Party-Data).

Die Herausforderung besteht darin, diese Daten systematisch und DSGVO-konform zu erheben. Der Schlüssel liegt im „Wertversprechen-Austausch“. Kunden sind bereit, Informationen preiszugeben, wenn sie im Gegenzug einen klaren und sofortigen Nutzen erhalten. Dies kann ein personalisierter Produkt-Konfigurator, ein exklusives Whitepaper nach einer Newsletter-Anmeldung oder ein Rabatt für die Teilnahme an einer kurzen Umfrage sein. Es geht darum, das Sammeln von Daten als Service zu gestalten, nicht als lästige Pflicht.

Die Umsetzung einer solchen Strategie erfordert eine solide technische und organisatorische Basis. Viele deutsche Unternehmen haben hier bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Eine Studie zeigt, dass 71 % der Unternehmen die DSGVO bereits vollständig oder grösstenteils umgesetzt haben. Darauf lässt sich aufbauen, indem man transparente Prozesse etabliert, beispielsweise durch ein Double-Opt-in-Verfahren für E-Mails und eine leicht verständliche Datenschutzerklärung, die den Mehrwert der Datennutzung klar kommuniziert.

Eine unternehmensweite Datenkultur ist dabei entscheidend. Jeder Kontaktpunkt, von der Logistik über den Kundenservice bis hin zum Vertrieb, kann wertvolle First-Party-Daten generieren. Werden diese Informationen zentral in einem CRM-System zusammengeführt, entsteht ein ganzheitliches Kundenbild, das die Grundlage für eine ebenso relevante wie respektvolle Kommunikation bildet.

Warum öffnen 20 % mehr Kunden Ihre Mails, wenn der Betreff den letzten Kauf aufgreift?

E-Mail-Marketing ist weit davon entfernt, tot zu sein – es wird lediglich intelligenter. In einem überfüllten Posteingang entscheidet die Betreffzeile in Sekundenbruchteilen über Aufmerksamkeit oder Ignoranz. Eine generische Ansprache verliert. Eine Personalisierung, die auf konkreten Handlungen des Kunden basiert, gewinnt. Greift der Betreff den letzten Kauf auf, signalisiert dies Relevanz und einen fortgeführten Dialog anstelle einer kalten Massen-Aussendung. Es zeigt: „Wir kennen nicht nur Ihren Namen, wir verstehen auch Ihre Bedürfnisse.“

Dieser psychologische Effekt ist messbar. Eine Studie von Newsletter2Go belegt, dass die durchschnittliche Öffnungsrate mit personalisierten Betreffzeilen branchenübergreifend um 16 Prozent steigt. Eine Betreffzeile wie „Passendes Zubehör für Ihren [gekauftes Produkt]“ ist unendlich wirksamer als „Unsere neuen Angebote“. Der Grund liegt in der kognitiven Leichtigkeit: Das Gehirn erkennt sofort einen persönlichen Anknüpfungspunkt und stuft die E-Mail als relevant ein.

Visuelle Darstellung der erhöhten E-Mail-Öffnungsraten durch personalisierte Betreffzeilen

Wie die Abbildung andeutet, ist der Moment der persönlichen Wiedererkennung ein starker emotionaler Treiber. Es ist der Unterschied zwischen einem anonymen Werbeprospekt und einer persönlichen Empfehlung. Diese Art der Personalisierung nutzt First-Party-Data auf ethische und nützliche Weise. Sie basiert nicht auf heimlich getrackten Interessen, sondern auf einer transparenten, gemeinsamen Transaktionshistorie. Der Kunde fühlt sich verstanden, nicht beobachtet.

Die Umsetzung erfordert eine saubere Verknüpfung von E-Commerce-System und Marketing-Automation-Tool. Automatisierte Trigger-Mails nach einem Kauf, die nicht nur die Bestellung bestätigen, sondern nach einer angemessenen Zeitspanne passende Ergänzungen, Pflegetipps oder Anwendungshinweise liefern, schaffen einen nachhaltigen Mehrwert und stärken die Kundenbindung. Dies ist die erste, einfach umzusetzende Stufe des Zero-Creep-Marketings.

HubSpot oder Salesforce: Welches Tool lohnt sich für den deutschen Mittelstand wirklich?

Die Entscheidung für ein CRM- und Marketing-Automation-System ist eine der wichtigsten strategischen Weichenstellungen für einen CMO. Mit HubSpot und Salesforce stehen zwei Giganten zur Auswahl, doch für den deutschen Mittelstand sind die Unterschiede gravierend. Die Wahl sollte nicht allein auf Basis von Funktionslisten getroffen werden, sondern muss die spezifischen Rahmenbedingungen wie DSGVO-Konformität, Budget, Implementierungsaufwand und die Integration in bestehende deutsche Systemlandschaften (z.B. DATEV, Shopware) berücksichtigen.

Beide Systeme bieten mittlerweile Server-Standorte in der EU an und sind damit grundsätzlich DSGVO-konform betreibbar. Jedoch zeigt die Praxis, dass der Aufwand für die Einhaltung der Datenschutzvorgaben erheblich sein kann. Dies muss bei der Tool-Auswahl einkalkuliert werden. Die Wahl des richtigen Tools ist somit auch eine Entscheidung über die Effizienz der eigenen Marketing- und Compliance-Prozesse.

Für eine fundierte Entscheidung ist ein direkter Vergleich der für den Mittelstand relevanten Kriterien unerlässlich. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Aspekte gegenüber und gibt eine klare Empfehlung.

HubSpot vs. Salesforce für den deutschen Mittelstand
Kriterium HubSpot Salesforce
DSGVO-Konformität EU-Server verfügbar Deutsche Server-Option
Integration DATEV Via Zapier Native Integration
Integration Shopware 6 Direktanbindung Partner-Apps
Einstiegskosten/Jahr Ab 800€ Ab 3.000€
Implementierungsaufwand 2-4 Wochen 8-12 Wochen
Deutsche Partner 150+ 300+

Die Analyse zeigt: HubSpot punktet durch niedrigere Einstiegskosten, einen deutlich geringeren Implementierungsaufwand und eine native Anbindung an gängige E-Commerce-Systeme wie Shopware 6. Dies macht es oft zur agileren und kosteneffizienteren Wahl für viele mittelständische Unternehmen. Salesforce hingegen spielt seine Stärken bei komplexen B2B-Prozessen und der tiefen Integration in die Unternehmens-IT, wie die native DATEV-Schnittstelle, aus, was jedoch mit höheren Kosten und längerer Einführungszeit verbunden ist. Die Entscheidung hängt letztlich von der individuellen Unternehmensstruktur und der strategischen Priorität ab: schnelle, marketing-fokussierte Erfolge (HubSpot) oder eine tiefgreifende, unternehmensweite Integration (Salesforce).

Wann schreckt zu viel Wissen über den Kunden diesen vom Kauf ab?

Die Grenze zwischen hilfreicher Personalisierung und aufdringlicher Überwachung ist schmal. Kunden wünschen sich relevante Angebote, reagieren aber extrem sensibel, wenn sie das Gefühl haben, dass ein Unternehmen zu viel über sie weiss. Dieser schmale Grat, das sogenannte „Personalisierungs-Paradoxon“, ist die grösste Herausforderung im ethischen Marketing. Die „Creepy Line“ wird überschritten, wenn die Datennutzung für den Kunden nicht mehr nachvollziehbar ist oder wenn hochsensible Informationen verwendet werden.

Michael Witzenleiter, ein Experte auf diesem Gebiet, fasst das Dilemma treffend zusammen. Wie er in einem Beitrag für den Kameleoon Blog erklärt, stehen sich zwei starke Bedürfnisse gegenüber:

Nutzer erwarten eine stark personalisierte User Experience, die genau die Inhalte, Produkte und Services liefert, die zu ihren Bedürfnissen passen. Gleichzeitig möchten sie ihre persönlichen Daten bestmöglich geschützt wissen, sobald sie online unterwegs sind.

– Michael Witzenleiter, Kameleoon Blog

Der Schlüssel zur Lösung dieses Paradoxons ist Daten-Empathie. Es geht darum, sich in die Lage des Kunden zu versetzen und zu fragen: „Würde ich mich mit dieser Art der Ansprache wohlfühlen?“. Eine Personalisierung basierend auf demografischen Daten, die offline gesammelt wurden, oder die Nutzung von Informationen über den Gesundheitszustand oder die finanzielle Situation sind absolute Tabus, sofern keine explizite und kontextbezogene Einwilligung vorliegt. Das Geheimnis liegt in der Transparenz und der Fokussierung auf Daten, die der Kunde bewusst und im Kontext einer Interaktion teilt (First- und Zero-Party-Data).

Anstatt Kunden mit Wissen zu konfrontieren („Wir sehen, Sie interessieren sich für Kredite…“), ist es effektiver, dieses Wissen zu nutzen, um den Service im Hintergrund zu verbessern – zum Beispiel, indem man irrelevante Angebote ausblendet. Die beste Personalisierung ist oft die, die der Kunde nicht als solche wahrnimmt, sondern einfach als exzellenten, intuitiven Service empfindet.

Ihr Plan für ethische Personalisierung: Die Zero-Creep-Checkliste

  1. Transparenz schaffen: Erklären Sie proaktiv, warum bestimmte Inhalte oder Produkte empfohlen werden (z.B. „Weil Sie Produkt X gekauft haben“).
  2. Kontrolle ermöglichen: Platzieren Sie Opt-out-Möglichkeiten für personalisierte Empfehlungen prominent und einfach zugänglich im Kundenkonto.
  3. Datenquellen trennen: Nutzen Sie niemals Offline-Daten (z.B. aus dem stationären Handel) für Online-Kampagnen ohne explizite, separate Einwilligung.
  4. Sensible Daten tabuisieren: Definieren Sie intern klare Regeln, welche Datenkategorien (z.B. Gesundheit, Finanzen, Religion) für die Personalisierung grundsätzlich ausgeschlossen sind.
  5. Regelmässige Audits durchführen: Überprüfen Sie Ihre automatisierten Kampagnen quartalsweise darauf, ob sie versehentlich die „Creepy Line“ überschreiten könnten.

Wie personalisieren Sie Kampagnen für ganze Einkaufs-Gremien statt Einzelpersonen?

Im B2B-Marketing, insbesondere im deutschen Mittelstand, werden Kaufentscheidungen selten von einer einzelnen Person getroffen. Stattdessen agiert ein sogenanntes Buying Center, ein Gremium aus verschiedenen Rollen: der CFO achtet auf den ROI, der IT-Leiter auf Datensicherheit und DSGVO-Konformität, der Fachanwender auf die praktische Nutzbarkeit. Eine Kampagne, die nur eine dieser Personen anspricht, verfehlt ihr Ziel. Die Lösung ist eine orchestrierte Ansprache des gesamten Gremiums, bekannt als Account-Based Marketing (ABM).

Hier geht es nicht um die Personalisierung für eine Einzelperson, sondern um die Relevanz für jede Rolle innerhalb des Ziel-Accounts. Moderne ABM-Strategien nutzen eine Kombination aus öffentlich verfügbaren Daten (z.B. aus dem Handelsregister) und professionellen Netzwerk-Informationen (LinkedIn, XING), um die Schlüsselpersonen eines Buying Centers zu identifizieren. Anschliessend wird für jede Rolle eine massgeschneiderte Botschaft entwickelt und über verschiedene Kanäle ausgespielt.

Abstrakte Darstellung eines vernetzten Einkaufsgremiums mit verschiedenen Entscheidungsebenen

Stellen Sie sich eine Kampagne für eine neue Unternehmenssoftware vor. Statt einer einzigen E-Mail an alle Kontakte des Zielunternehmens, findet eine „Gremien-Orchestrierung“ statt:

  • Der CFO erhält eine E-Mail mit einer ROI-Kalkulation und einem Link zu einem Whitepaper über Kosteneinsparungen.
  • Der IT-Leiter wird auf LinkedIn mit einem Beitrag über die DSGVO-Zertifizierungen und die einfache Integration der Software angesprochen.
  • Der Leiter der Fachabteilung bekommt Zugang zu einem interaktiven Tutorial oder einer Einladung zu einem Webinar mit einem Praxis-Case.

Alle diese Massnahmen sind zeitlich aufeinander abgestimmt und erzeugen ein konsistentes Bild. Die Personalisierung liegt in der Anpassung des Inhalts an die spezifischen Schmerzpunkte und Verantwortlichkeiten der jeweiligen Rolle, nicht in der Verwendung persönlicher Details. Dieser strategische Ansatz erhöht die Relevanz und die Wahrscheinlichkeit, im gesamten Gremium Zustimmung zu finden.

Wie sammeln Sie Kundendaten rechtskonform ohne die Conversion-Rate zu halbieren?

Die grösste Angst vieler CMOs ist, dass ein strikt DSGVO- und TTDSG-konformes Vorgehen, insbesondere bei Cookie-Bannern, die Conversion-Raten unweigerlich senkt. Diese Sorge ist nicht unbegründet, aber sie basiert oft auf einer falschen Herangehensweise. Ein Cookie-Banner, das als reines juristisches Hindernis gestaltet ist, wird auch als solches wahrgenommen. Der Schlüssel liegt darin, die Einholung der Zustimmung als Teil der User Experience und des Wertversprechens zu begreifen. Es ist eine DSGVO-Chance, Vertrauen aufzubauen.

Die Ablehnung von Tracking ist hoch. Eine Studie zeigt, dass 81 % der Nutzer nicht einwilligen würden, von Drittanbietern getrackt zu werden. Dies bestätigt, dass das alte Modell des verdeckten Trackings am Ende ist. Stattdessen muss der Fokus auf Transparenz und einem klaren „Give-to-Get“-Prinzip liegen. Der Nutzer muss verstehen, welchen konkreten Vorteil er hat, wenn er seine Zustimmung gibt. Anstatt eines Buttons „Alle akzeptieren“, könnte eine Formulierung wie „Ja, ich möchte ein personalisiertes Einkaufserlebnis“ die Akzeptanzrate deutlich erhöhen.

Eine weitere effektive Methode ist das Progressive Profiling. Anstatt beim ersten Besuch einen riesigen Fragebogen zu präsentieren, werden Daten schrittweise und kontextbezogen abgefragt. Bei der ersten Newsletter-Anmeldung wird nur die E-Mail-Adresse erfasst. Bei einem späteren Besuch kann nach der bevorzugten Produktkategorie gefragt werden, um den Newsletter zu personalisieren. Jeder Schritt bietet einen sichtbaren Mehrwert für den Kunden, was die Bereitschaft zur Datenweitergabe erhöht.

Die Gestaltung des Cookie-Banners selbst spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine klare, einfache Sprache ist wichtiger als juristisches Fachchinesisch. Die Möglichkeit, Präferenzen granular zu steuern, anstatt nur eine „Alles oder Nichts“-Option zu bieten, signalisiert Respekt vor der Autonomie des Nutzers. Ein Double-Opt-in für E-Mails, obwohl nicht immer gesetzlich zwingend, ist ein starkes Vertrauenssignal und stellt sicher, dass Sie eine hochqualitative und engagierte Empfängerliste aufbauen. So wird Datenschutz vom Conversion-Killer zum Werkzeug für nachhaltige Kundenbindung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wechsel von Third-Party- zu First-Party-Data ist unumgänglich und eine Chance, Vertrauen aufzubauen.
  • Ethische Personalisierung („Zero-Creep-Marketing“) steigert die Relevanz und Konversion, indem sie die Privatsphäre des Kunden respektiert.
  • Die DSGVO sollte nicht als Bremse, sondern als Wettbewerbsvorteil für transparente und kundenorientierte Unternehmen verstanden werden.

Wie viel ist ein Kunde über 5 Jahre wert und was bedeutet das für Ihr Werbebudget?

Viele Marketing-Budgets werden auf Basis kurzfristiger Kennzahlen wie dem Cost-per-Acquisition (CPA) optimiert. Dieser Ansatz ignoriert jedoch den wichtigsten Faktor für nachhaltiges Wachstum: den Customer Lifetime Value (CLV). Der CLV beziffert den Gesamtumsatz oder -deckungsbeitrag, den ein Kunde während seiner gesamten Beziehung zu Ihrem Unternehmen generiert. Die Kenntnis dieser Zahl revolutioniert die Budgetplanung. Sie erlaubt es Ihnen, mehr für die Akquise eines wertvollen Kunden auszugeben, als ein einmaliger Kauf rechtfertigen würde.

Die Berechnung des CLV kann von einfach bis hochkomplex reichen. Eine einfache Formel lautet: (Durchschnittlicher jährlicher Deckungsbeitrag pro Kunde) x (Durchschnittliche Kundenlebensdauer in Jahren) – (Durchschnittliche Akquisekosten). Zum Beispiel: Ein Kunde in einem Online-Shop generiert pro Jahr einen Deckungsbeitrag von 227 Euro. Bei einer durchschnittlichen Kundenlebensdauer von 5 Jahren und Akquisekosten von 100 Euro beträgt der CLV (227 € * 5) – 100 € = 1.035 €. Diese Erkenntnis rechtfertigt ein höheres Werbebudget, um genau solche profitablen Kunden zu gewinnen.

Die Höhe des CLV variiert stark je nach Branche. Während er im E-Commerce oft im drei- bis vierstelligen Bereich liegt, zeigen aktuelle Branchendaten, dass Finanzdienstleister in Deutschland oft einen durchschnittlichen CLV von 1.500 € bis 3.000 € pro Kunde erreichen. Diese hohen Werte spiegeln die langfristige Natur der Kundenbeziehungen und die Möglichkeit von Cross- und Up-Selling (z.B. von einem Girokonto zu einer Baufinanzierung) wider.

Die Personalisierungsstrategien, die wir in diesem Artikel diskutiert haben, sind der direkte Hebel zur Steigerung des CLV. Eine relevante, auf First-Party-Data basierende Kommunikation erhöht die Kundenzufriedenheit, fördert die Loyalität und verlängert so die Kundenlebensdauer. Jeder Euro, der in eine vertrauensvolle, ethische Personalisierung investiert wird, zahlt sich also nicht nur kurzfristig durch eine bessere Conversion aus, sondern vor allem langfristig durch einen höheren Customer Lifetime Value.

Warum brechen 70 % Ihrer Besucher den Kaufvorgang im Warenkorb ab?

Der Warenkorbabbruch ist der Alptraum jedes Online-Händlers und CMOs. Ein potenzieller Kunde hat Interesse gezeigt, Produkte ausgewählt – und bricht im letzten Moment ab. Während die branchenweite Abbruchrate bei etwa 70 % liegt, sind die Gründe dafür oft hausgemacht und können behoben werden. Im deutschen Markt sind zwei Faktoren besonders entscheidend: fehlende, vertraute Zahlungsoptionen und mangelndes Vertrauen in die Sicherheit des Shops.

Deutsche Kunden haben sehr klare Präferenzen bei den Zahlungsmethoden. Wer hier die Erwartungen nicht erfüllt, riskiert einen sofortigen Abbruch. Der Kauf auf Rechnung ist nach wie vor extrem beliebt und schafft Vertrauen, da die Ware vor der Bezahlung geprüft werden kann. PayPal bietet Komfort und Käuferschutz. Das Ignorieren dieser Präferenzen ist ein teurer Fehler. Die folgende Tabelle zeigt die Bedeutung der einzelnen Zahlungsarten für den deutschen Markt.

Zahlungsarten-Präferenzen und ihr Einfluss in Deutschland
Zahlungsart Nutzung Deutschland Conversion-Impact Abbruchrisiko ohne Option
Kauf auf Rechnung 38% +25% Conversion Sehr hoch
PayPal 35% +15% Conversion Hoch
Lastschrift/SEPA 20% +10% Conversion Mittel
Kreditkarte 15% Neutral Niedrig
Sofortüberweisung 12% +5% Conversion Niedrig

Der zweite entscheidende Faktor ist das Vertrauen. Ein Checkout-Prozess, der unprofessionell wirkt, versteckte Kosten enthält oder keine klaren Informationen zu Versand und Rückgabe bietet, löst Alarmglocken aus. Hier spielen deutsche Gütesiegel eine immense Rolle. Wie der E-Commerce Verband Deutschland hervorhebt, kann die prominente Platzierung von Siegeln wie „Trusted Shops“ oder „TÜV Süd s@fer-shopping“ im Checkout die Abbruchrate signifikant senken. Diese Siegel fungieren als externe Validierung der Seriosität und Sicherheit des Anbieters und nehmen dem Kunden die Angst vor einem Fehlkauf.

Die Optimierung des Checkouts ist also keine reine Frage des Designs, sondern eine der Vertrauensbildung. Indem Sie die bevorzugten Zahlungsarten anbieten, für volle Transparenz bei den Kosten sorgen und anerkannte Gütesiegel integrieren, bauen Sie die letzten Hürden vor dem Kaufabschluss ab. Dies ist der finale und entscheidende Schritt, um die Früchte Ihrer gesamten Personalisierungsstrategie zu ernten.

Für einen erfolgreichen Abschluss ist es entscheidend, die psychologischen und praktischen Hürden im Checkout-Prozess zu verstehen und zu beseitigen.

Geschrieben von Anja Friese, Anja Friese ist Growth-Managerin und Expertin für datengetriebenes Marketing mit Fokus auf ROI und Tech-Stack-Effizienz. Sie berät Unternehmen bei der Digitalisierung von Vertriebsprozessen und der Optimierung von E-Commerce-Kennzahlen.