Veröffentlicht am März 11, 2024

Die effektivste Kostensenkung liegt nicht in pauschalen Kürzungen, sondern in der chirurgischen Optimierung ungenutzter Vermögenswerte und der intelligenten Nutzung oft übersehener steuerlicher und prozessualer Hebel.

  • Identifizieren Sie „Shelfware“ – ungenutzte Softwarelizenzen, die ein erhebliches Einsparpotenzial von bis zu 30 % bergen.
  • Analysieren Sie die Gesamtkosten (TCO) von Mobilitätslösungen; oft ist die BahnCard 100 inklusive steuerlicher Vorteile günstiger als ein Dienstwagen.
  • Nutzen Sie staatliche Rückerstattungen wie den Spitzenausgleich der Stromsteuer und optimieren Sie Marketingausgaben durch Effizienzsteigerung statt Budget-Cuts.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einem Audit Ihrer Software-Lizenzen und analysieren Sie Ihre drei grössten Vertragsposten auf Basis der in diesem Artikel genannten Trigger-Ereignisse.

Als kaufmännischer Leiter stehen Sie vor der permanenten Herausforderung, die Kosten im Griff zu behalten, ohne die Zukunftsfähigkeit oder die Moral im Unternehmen zu gefährden. Der Druck zur Steigerung der Rendite führt oft zu den naheliegenden, aber schmerzhaften Reflexen: Einstellungsstopps, Budgetkürzungen im Marketing oder die Verschiebung wichtiger Investitionen. Diese Massnahmen kratzen jedoch oft nur an der Oberfläche und können langfristig mehr schaden als nutzen. Der Gedanke, Mitarbeiter entlassen zu müssen, um die Bilanz zu schönen, ist für jeden verantwortungsvollen Manager der letzte und unerwünschteste Ausweg.

Doch was, wenn die grössten Einsparpotenziale gar nicht in radikalen Kürzungen liegen, sondern in den stillen, oft übersehenen Ecken Ihres Unternehmens schlummern? Was, wenn Sie bereits für Vermögenswerte zahlen, die niemand nutzt, oder wenn Ihnen der Staat Geld zurückgeben würde, Sie es nur nicht beantragen? Die wahre Kunst der Kostensenkung liegt nicht im Kahlschlag, sondern in der intelligenten Analyse und der chirurgischen Optimierung. Es geht darum, Ineffizienzen in Vermögenswerten aufzudecken, fiskalische Hebel zu nutzen und die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) anstelle simpler Anschaffungspreise zu bewerten.

Dieser Artikel weicht bewusst von den üblichen Ratschlägen ab. Wir zeigen Ihnen acht konkrete, datengestützte Hebel, die Ihnen als kaufmännischem Leiter ermöglichen, signifikante Einsparungen zu realisieren – und das auf eine sozialverträgliche und strategisch kluge Weise. Wir werden untersuchen, wie Sie ungenutzte Software-Lizenzen aufspüren, die wahren Kosten Ihrer Fahrzeugflotte entlarven und Verträge zu Ihrem Vorteil neu verhandeln, um Ihre Gemeinkosten nachhaltig zu senken und gleichzeitig die operative Stärke Ihres Unternehmens zu erhalten.

Der folgende Leitfaden bietet Ihnen einen detaillierten Einblick in spezifische Strategien und deren Umsetzung. Jeder Abschnitt ist darauf ausgelegt, Ihnen sofort anwendbare Erkenntnisse und Werkzeuge an die Hand zu geben, um verborgene Kostenpotenziale in Ihrem Verantwortungsbereich zu identifizieren und zu heben.

Warum zahlen Sie für 20 % Ihres Software-Lizenzen, obwohl sie niemand nutzt?

In fast jedem Unternehmen existiert ein stiller Kostenfresser: Shelfware. Das sind Softwarelizenzen, für die Sie regelmässig zahlen, die aber ungenutzt in den sprichwörtlichen Regalen verstauben. Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, Projekte enden, Abteilungen werden umstrukturiert – doch die Lizenzen laufen weiter. Diese Vermögens-Ineffizienz ist keine Kleinigkeit. Laut KPMG Atlas können Unternehmen durch professionelles Software-Lizenzmanagement (SAM) ihre Kosten um bis zu 30 % reduzieren. Für ein mittelständisches Unternehmen kann dies schnell eine fünf- bis sechsstellige Summe pro Jahr bedeuten.

Das Kernproblem liegt oft in einer dezentralen Beschaffung und dem Fehlen einer zentralen Übersicht. Jede Abteilung kauft, was sie für nötig hält, aber niemand ist für die Deaktivierung nicht mehr benötigter Zugänge verantwortlich. Ein effektives SAM-System schafft hier Transparenz. Es verfolgt nicht nur, welche Lizenzen vorhanden sind, sondern auch, wer sie tatsächlich nutzt. So können Sie überflüssige Lizenzen kündigen, ungenutzte Lizenzen an neue Mitarbeiter vergeben oder auf günstigere Lizenzmodelle (z. B. Concurrent User statt Named User) umsteigen.

Fallbeispiel: Optimierung in der deutschen Bundesverwaltung

Die deutsche Bundesverwaltung stand vor der Herausforderung, eine unübersichtliche Lizenzlandschaft zu managen. Durch die Implementierung eines einheitlichen SAM-Tools zur Lizenzbilanzierung wurde die Transparenz über die eingesetzte Software massiv verbessert. Das Ziel war nicht nur, Kosten zu sparen, sondern den Softwareeinsatz strategisch zu optimieren. Das Ergebnis waren behördenübergreifende Synergien und eine deutlich effizientere Nutzung der vorhandenen Lizenzen, was als Vorbild für grosse Organisationen dient.

Der erste Schritt ist ein umfassendes Audit. Identifizieren Sie alle aktiven Software-Abonnements und gleichen Sie diese mit den tatsächlich aktiven Nutzern ab. Moderne SAM-Tools können diesen Prozess weitgehend automatisieren und liefern Ihnen eine klare Entscheidungsgrundlage zur sofortigen Kostensenkung.

BahnCard 100 oder Dienstwagen: Was ist bei 30.000 km/Jahr wirklich günstiger?

Die Entscheidung zwischen einem Dienstwagen und einer BahnCard 100 wird oft auf Basis eines Trugschlusses gefällt: dem reinen Vergleich der monatlichen Leasingrate mit dem Preis der BahnCard. Ein kaufmännischer Stratege blickt jedoch auf die Total Cost of Ownership (TCO). Berücksichtigt man alle Faktoren – vom geldwerten Vorteil über Parkplatzkosten bis hin zur produktiv genutzten Reisezeit – verschiebt sich das Bild dramatisch. Gerade in Deutschland mit seinem dichten Schienennetz und hohen städtischen Parkgebühren ist die Bahn oft die wirtschaftlich überlegene Wahl.

Der entscheidende, oft übersehene Faktor ist die Produktivität. Während ein Mitarbeiter im Auto am Steuer festsitzt, kann er im Zug vier bis fünf Stunden pro Tag voll produktiv arbeiten: E-Mails beantworten, Präsentationen vorbereiten oder Telefonkonferenzen führen. Diese gewonnene Arbeitszeit ist ein direkter finanzieller Gewinn für das Unternehmen. Hinzu kommen die harten Fakten der Nebenkosten, die in einer simplen Kalkulation oft untergehen.

Die folgende Tabelle zeigt einen beispielhaften TCO-Vergleich, der verdeutlicht, wie schnell sich die vermeintlich teurere BahnCard 100 als die günstigere und intelligentere Option erweist, wenn alle Kostenpunkte berücksichtigt werden.

TCO-Vergleich: Dienstwagen vs. BahnCard 100
Kostenart Dienstwagen (Mittelklasse) BahnCard 100 (2. Klasse)
Monatliche Kosten Unternehmen 800-1.200 € 372 € (bei Jahreszahlung)
Geldwerter Vorteil Arbeitnehmer ca. 450 €/Monat (1%-Regelung) 0 € bei geschäftlicher Vollamortisation
Parkplatzkosten 150-300 €/Monat 0 €
Produktivität während Fahrt Nicht möglich Vollständig möglich
Zusatzkosten (Carsharing) 0 € 60-70 €/Monat

Ein weiterer, entscheidender fiskalischer Hebel ist die steuerliche Behandlung in Deutschland. Wie das Bundesministerium der Finanzen klarstellt, ist die BahnCard 100 nicht nur praktisch, sondern auch steuerlich attraktiv. In einem Schreiben vom 15. August 2019 wird die steuerliche Begünstigung detailliert, was sie zu einem noch stärkeren Werkzeug für die Gemeinkostensenkung macht.

Die BahnCard 100 ist in Höhe von 3.000 Euro steuerfreier Reisekostenersatz und der verbleibende Betrag von 1.400 Euro bleibt als Jobticket steuerfrei.

– Bundesministerium der Finanzen, BMF-Schreiben vom 15. August 2019

Stromsteuerbefreiung und LED: Wie holen Sie sich Geld vom Staat zurück?

Viele Unternehmen des produzierenden Gewerbes in Deutschland lassen einen signifikanten Betrag an Geld ungenutzt, der ihnen rechtlich zusteht: die Rückerstattung der Stromsteuer durch den sogenannten Spitzenausgleich (§ 10 StromStG). Dies ist kein Almosen, sondern ein gezielter fiskalischer Hebel des Staates, um Unternehmen zu belohnen, die in Energieeffizienz investieren. Die Kombination aus der Umrüstung auf moderne LED-Beleuchtung und der Einführung eines Energiemanagementsystems ist hier der Königsweg. Die Investition in LEDs senkt nicht nur direkt Ihre Stromrechnung, sondern ist auch eine wesentliche Voraussetzung, um die für den Spitzenausgleich erforderlichen Effizienznachweise zu erbringen.

Der Prozess mag auf den ersten Blick bürokratisch erscheinen, ist aber mit einem klaren Fahrplan gut zu bewältigen. Die zentrale Voraussetzung ist die Implementierung eines zertifizierten Energiemanagementsystems nach ISO 50001 oder eines alternativen Systems (für KMU). Dieses System liefert die notwendigen Daten, um gegenüber dem Hauptzollamt nachzuweisen, dass Ihr Unternehmen systematisch an der Verbesserung seiner Energieeffizienz arbeitet. Die potenzielle Rückerstattung kann erheblich sein und stellt eine direkte Liquiditätsspritze dar, die Ihre Gemeinkosten spürbar senkt.

Moderne Industriehalle mit LED-Beleuchtung und Energiespar-Symbolen

Wie das Bild einer modernen, energieeffizienten Industriehalle zeigt, geht es hierbei um eine strategische Transformation. Die Investition zahlt sich doppelt aus: durch geringere laufende Kosten und durch direkte Rückflüsse vom Staat. Ergänzend dazu gibt es oft BAFA-Zuschüsse für die Optimierung von Prozesswärme oder KfW-Förderprogramme, die die finanzielle Last der Umrüstung weiter reduzieren. Es ist eine klassische Win-Win-Situation, die in keinem Cost-Cutting-Programm fehlen sollte.

Der Weg zur Rückerstattung folgt einem klaren Schema. Prüfen Sie zunächst Ihre grundsätzliche Anspruchsberechtigung als Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Implementieren Sie anschliessend das passende Energiemanagementsystem, sammeln Sie die Nachweise und stellen Sie den Antrag. Dieser proaktive Ansatz verwandelt eine regulatorische Anforderung in einen handfesten finanziellen Vorteil.

Der Fehler beim Marketing-Cut, der Ihre Umsatz doppelt so stark einbrechen lässt

In Krisenzeiten ist das Marketingbudget oft das erste Opfer. Ein fataler Fehler. Ein pauschaler Marketing-Cut ist keine Kostensenkung, sondern eine Investition in zukünftige Umsatzeinbrüche. Er wirkt doppelt negativ: Kurzfristig brechen die Leads weg, langfristig erodiert die Markenpräsenz und das Vertrauen. Der intelligente Ansatz ist nicht, das Budget zu kürzen, sondern die Marketingeffizienz zu steigern. Anstatt weniger zu tun, geht es darum, mehr aus dem bestehenden Budget herauszuholen. Das Stichwort lautet Content-Recycling und -Repurposing.

Ein gut recherchierter Blogartikel, eine aufwendige Studie oder ein erfolgreiches Webinar sind wertvolle Assets. Der Fehler vieler Unternehmen ist, diese Assets nur einmal zu nutzen. Ein strategischer Content-Audit deckt diese verborgenen Schätze. Ein einziger Blogartikel kann transformiert werden in:

  • Eine prägnante Infografik für Social Media.
  • Ein kurzes Erklärvideo für YouTube und LinkedIn.
  • Mehrere Zitat-Kacheln für Instagram und Twitter.
  • Eine Podcast-Episode, in der das Thema vertieft wird.
  • Ein Kapitel in einem umfassenderen E-Book oder Whitepaper.

Diese Strategie maximiert die Reichweite und den ROI jeder einzelnen Content-Investition, ohne dass signifikante Mehrkosten entstehen. Statt neue Inhalte von Grund auf zu produzieren, wird der Wert bestehender Inhalte vervielfacht. In Kombination mit automatisierten CRM-Systemen und Business Intelligence, die den Vertriebsprozess effizienter gestalten, wird das Marketing von einem reinen Kostenfaktor zu einem messbaren und skalierbaren Umsatztreiber. Der Fokus verlagert sich von „Was kostet uns das Marketing?“ zu „Welchen Ertrag generiert jeder Marketing-Euro?“.

Eine Kürzung des Marketingbudgets sendet zudem ein negatives Signal an den Markt und die eigenen Mitarbeiter. Es signalisiert Rückzug statt Angriff. Eine sichtbare und kluge Marketingpräsenz hingegen signalisiert Stärke und Vertrauen – beides unerlässlich, um auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten erfolgreich zu sein.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um laufende Verträge neu zu verhandeln?

„Laufende Verträge neu verhandeln“ ist ein klassischer Rat zur Kostensenkung, der jedoch oft ins Leere läuft, weil der richtige Zeitpunkt verpasst wird. Proaktives Handeln ist entscheidend. Auf das Vertragsende zu warten, ist die schwächste Verhandlungsposition. Der Schlüssel liegt darin, strategische Trigger-Ereignisse zu erkennen und zu nutzen, die das Machtgefüge zu Ihren Gunsten verschieben. Ein intelligenter kaufmännischer Leiter agiert nicht reaktiv, sondern antizipiert diese Momente.

Eine Kostensenkung im SG&A-Bereich erfordert einen strategischen Ansatz. Es geht nicht darum, wahllos zu kürzen, sondern Ineffizienzen zu identifizieren.

– WHK Controlling, SG&A-Kosten: Definition, Quote & 5 Strategien zur Senkung

Dieser strategische Ansatz zeigt sich besonders in der Vertragsverhandlung. Statt einfach um Rabatte zu bitten, nutzen Sie konkrete Anlässe als Hebel. Die wirkungsvollsten Trigger sind:

  • Ende des Geschäftsjahres des Lieferanten: Viele Vertriebsmitarbeiter stehen unter Druck, ihre Jahresziele zu erreichen, und sind daher eher zu Zugeständnissen bereit.
  • Markteintritt neuer Konkurrenten: Sobald ein neuer Anbieter auf den Markt kommt, steigt die Wechselbereitschaft und damit Ihr Verhandlungsspielraum. Fordern Sie proaktiv ein Gegenangebot an.
  • Signifikante Änderungen Ihres Einkaufsvolumens: Haben Sie Ihr Volumen deutlich erhöht? Dann ist es an der Zeit, die Konditionen an die neue Realität anzupassen.
  • Fusionen oder Übernahmen beim Lieferanten: Solche Ereignisse führen oft zu Unsicherheit und Neuorganisation. Dies ist eine Chance, die Partnerschaft zu bekräftigen – zu besseren Konditionen.
  • Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB): Externe Krisen (z.B. Pandemien, Lieferkettenbrüche) können die Basis eines Vertrags fundamental ändern und eine Anpassung rechtfertigen.

Der beste operative Zeitpunkt, um proaktiv zu werden, ist sechs bis neun Monate vor dem offiziellen Vertragsende. Das gibt Ihnen genügend Zeit, um Benchmarks einzuholen, Alternativen ernsthaft zu prüfen und Verhandlungen ohne Zeitdruck zu führen. Wer zu spät beginnt, verliert seinen grössten Hebel: die glaubwürdige Androhung eines Wechsels.

Wie passen Sie Ihre Produktionsprozesse an eine 20-prozentige Nachfragesteigerung an?

Eine steigende Nachfrage ist ein Luxusproblem, aber nur, wenn die Kosten nicht im gleichen Masse explodieren. Die traditionelle Antwort – mehr Mitarbeiter einstellen, mehr Maschinen kaufen – führt zu einer linearen Kostensteigerung. Der strategische Ansatz liegt in der Entkopplung von Wachstum und Kosten durch Prozessoptimierung und Automatisierung. Ziel ist es, mit den bestehenden Ressourcen mehr zu schaffen. Eine Studie zeigt, dass durch die Automatisierung von Routineaufgaben bis zu 40% Arbeitszeitersparnis erzielt werden kann. Diese freigesetzten Kapazitäten können direkt zur Bewältigung der höheren Nachfrage genutzt werden, ohne die Personalkosten zu erhöhen.

Moderne Produktionshalle mit optimierten Prozessen und Lean-Management-Visualisierung

Methoden wie Lean Production und Kaizen (kontinuierliche Verbesserung), die ursprünglich von Toyota perfektioniert wurden, sind hierfür das ideale Rüstzeug. Es geht nicht um einen einmaligen grossen Wurf, sondern um die ständige Identifizierung und Eliminierung von Verschwendung (Muda) im Produktionsprozess: überflüssige Transporte, unnötige Wartezeiten, fehlerhafte Teile oder Überproduktion. Indem Sie Ihre Mitarbeiter befähigen, diese kleinen Ineffizienzen in ihrem täglichen Arbeitsumfeld zu erkennen und zu beheben, schaffen Sie eine Kultur der ständigen Optimierung.

Fallbeispiel: Toyotas Lean Production als Vorbild

Toyota revolutionierte die Automobilindustrie, indem es sich auf die Eliminierung von Verschwendung konzentrierte. Mit seinen innovativen Kaizen- und Lean-Production-Methoden konnte das Unternehmen seine Produktionskosten erheblich reduzieren. Dies ermöglichte es Toyota, hochwertige Autos zu niedrigeren Preisen anzubieten als seine Konkurrenten und gleichzeitig flexibel auf Nachfrageschwankungen zu reagieren, ohne die Kostenstruktur massiv zu verändern.

Um eine 20-prozentige Nachfragesteigerung abzufedern, analysieren Sie Ihre Engpässe (Bottlenecks). Wo staut sich die Arbeit? Kann dieser Schritt automatisiert, vereinfacht oder parallelisiert werden? Oft können schon kleine Anpassungen, wie eine veränderte Anordnung von Arbeitsstationen oder die Einführung einfacher digitaler Tools, eine erhebliche Durchsatzsteigerung bewirken und so die Notwendigkeit teurer Investitionen oder Neueinstellungen vermeiden.

Wann ist der optimale Ersatzzeitpunkt für Ihren Fuhrpark erreicht?

Die Frage nach dem optimalen Ersatzzeitpunkt für Fahrzeuge im Fuhrpark ist komplexer als ein Blick auf den Kilometerstand. Es ist eine strategische Entscheidung, die auf einer umfassenden TCO-Analyse (Total Cost of Ownership) basieren muss. In Deutschland wird diese Entscheidung massgeblich durch steuerliche Rahmenbedingungen und Förderungen für Elektromobilität beeinflusst. Der reine Vergleich von Anschaffungskosten zwischen einem Verbrenner und einem Elektrofahrzeug greift zu kurz und führt zu teuren Fehlentscheidungen. Die 0,25%-Regelung für die Versteuerung des geldwerten Vorteils bei E-Fahrzeugen, der Wegfall der Kfz-Steuer und die Einnahmen aus der THG-Quote sind massive finanzielle Hebel.

Die folgende Analyse für einen VW Passat im Vergleich zu einem Tesla Model 3 zeigt deutlich, dass das auf den ersten Blick teurere E-Fahrzeug über eine Haltedauer von vier Jahren deutlich günstiger ist. Dies liegt vor allem an den geringeren laufenden Kosten und den erheblichen steuerlichen Vorteilen.

TCO-Vergleich: Verbrenner vs. E-Fahrzeug mit deutscher Förderung
Kostenart VW Passat (Diesel) Tesla Model 3
Anschaffung (netto) 35.000 € 42.000 €
Förderung/Umweltbonus 0 € -6.750 €
Geldwerter Vorteil (1% vs 0,25%) 350 €/Monat 105 €/Monat
THG-Quote Einnahmen/Jahr 0 € 350 €
AfA über 6 Jahre 5.833 €/Jahr 5.875 €/Jahr
Gesamtkosten nach 4 Jahren 52.000 € 45.000 €

Der optimale Ersatzzeitpunkt ist also nicht nur eine Frage von Alter und Laufleistung, sondern auch von der aktuellen Gesetzeslage. Ein alternder Diesel-Fuhrpark wird durch steigende Wartungskosten und den Wegfall steuerlicher Vorteile zunehmend zur Belastung. Eine proaktive Umstellung auf E-Mobilität ist nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern vor allem eine extrem wirksame Massnahme zur Senkung der Gemeinkosten.

Ihr Aktionsplan zur Analyse des Fuhrparks

  1. Führen Sie eine TCO-Analyse für repräsentative Fahrzeuge durch, die die deutsche AfA (Abschreibung für Abnutzung) korrekt berücksichtigt.
  2. Kalkulieren Sie die aktuellen Fördersätze für E-Mobilität und die massive Ersparnis durch die 0,25%-Regelung für den geldwerten Vorteil ein.
  3. Berücksichtigen Sie die jährlichen Einnahmen durch die THG-Quote als festen Ertragsposten bei jedem E-Fahrzeug.
  4. Prüfen Sie alternative Beschaffungsmodelle wie „Fleet-as-a-Service“, die Wartung und Management in einer festen Rate bündeln.
  5. Erstellen Sie eine realistische Restwertprognose für Ihre aktuellen Verbrenner-Fahrzeuge, um den idealen Verkaufszeitpunkt nicht zu verpassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verborgene Assets heben: Konzentrieren Sie sich auf die Optimierung dessen, was Sie bereits besitzen, wie ungenutzte Softwarelizenzen („Shelfware“), statt pauschal zu kürzen.
  • Fiskalische Hebel nutzen: Profitieren Sie aktiv von deutschen Steuergesetzen und Förderungen, z.B. bei der Stromsteuer-Rückerstattung, der 0,25%-Regelung für E-Autos oder der steuerlichen Behandlung der BahnCard 100.
  • Effizienz vor Kürzung: Steigern Sie die Effizienz in Kostenstellen wie Marketing (durch Content-Recycling) und Produktion (durch Lean Management), anstatt Budgets zu streichen und die Leistung zu drosseln.

Wie erhöhen Sie Ihren operativen Cashflow um 10.000 € pro Monat ohne Neukunden?

Gewinn ist eine Meinung, Cashflow ist ein Fakt. Diese Börsenweisheit ist für Sie als kaufmännischer Leiter das tägliche Mantra. Eine Erhöhung des operativen Cashflows muss nicht zwangsläufig über mehr Umsatz und Neukunden erfolgen. Oft sind die schnellsten und nachhaltigsten Gewinne im Inneren des Unternehmens zu finden: im Working Capital Management. Jede Optimierung in der Lagerhaltung, bei den Forderungen oder den Verbindlichkeiten setzt sofort liquide Mittel frei. Eine um wenige Tage verkürzte Lagerdauer oder ein beschleunigter Zahlungseingang kann den Cashflow um Tausende von Euro verbessern.

Abstrakte Visualisierung von Cashflow-Strömen und Working Capital Management

Ein zentraler Hebel ist die Digitalisierung der Materialwirtschaft. Manuelle Bestellprozesse, hohe Sicherheitsbestände aus Angst vor Engpässen und eine unzureichende Lieferantenbewertung binden unnötig Kapital. Studien zeigen, dass bis zu 30% Kosteneinsparung in der Materialwirtschaft möglich sind. Das wird erreicht durch:

  • Just-in-Time-Lieferungen: Reduziert die Lagerbestände und die damit verbundenen Kapitalkosten.
  • Automatisierte Bestellsysteme: Verhindern Fehlbestellungen und optimieren die Bestellmengen.
  • Dynamisches Lieferantenmanagement: Sichert bessere Konditionen und Liefertreue.

Die Optimierung der Lieferkette, wie sie von Unternehmen wie McDonald’s vorgemacht wird, ist ein perfektes Beispiel. Durch ein hocheffizientes Logistiksystem konnte McDonald’s seine Betriebskosten massiv reduzieren, was sich direkt in einem verbesserten Cashflow niederschlug. Indem Sie Skonti konsequent nutzen, Zahlungsziele bei Kunden verkürzen und gleichzeitig die eigenen Zahlungsziele bei Lieferanten intelligent ausschöpfen, schaffen Sie einen positiven „Cash-Float“, der Ihrem Unternehmen zusätzliche finanzielle Luft zum Atmen gibt.

Die hier vorgestellten Strategien beweisen, dass eine signifikante Kostensenkung ohne einen schmerzhaften Personalabbau nicht nur möglich, sondern auch der strategisch klügere Weg ist. Der nächste logische Schritt ist, diese Hebel in Ihrem eigenen Unternehmen zu identifizieren. Beginnen Sie noch heute mit einem Audit Ihrer Software-Lizenzen und Ihrer Mobilfunkverträge – die ersten Quick Wins warten bereits auf Sie.

Geschrieben von Klaus Vonberg, Dr. Klaus Vonberg ist ein erfahrener Interim-CFO und Strategieberater mit über 25 Jahren Erfahrung in der Sanierung und Skalierung deutscher mittelständischer Unternehmen (KMU). Er ist spezialisiert auf Liquiditätsmanagement, Unternehmensbewertung und Exit-Strategien.