
Ihr CEO interessiert sich nicht für Ihren Marketing-ROI – er will wissen, wie Sie den Unternehmenswert steigern.
- Fokussieren Sie sich auf Frühindikatoren wie die Pipeline-Velocity, die zukünftige Umsätze prognostizieren, anstatt auf Spätindikatoren wie den Umsatz des letzten Monats.
- Bauen und bewerten Sie nachhaltige Marketing-Assets (Markenbekanntheit, Direct Traffic), die einen messbaren „Marketing-Moat“ um Ihr Unternehmen bilden.
Empfehlung: Berichten Sie KPIs in der Bilanz-Logik eines Investors, der Vermögenswerte aufbaut, nicht in der GuV-Logik eines Buchhalters, der nur Kosten verbucht.
Als Marketingleiter stehen Sie unter permanentem Rechtfertigungsdruck. Der CEO fragt nicht nach der Kreativität Ihrer letzten Kampagne, sondern nach dem Return on Investment. Die übliche Reaktion ist ein Reporting voller Klickraten, Impressionen und Social-Media-Followern. Doch diese Zahlen lösen beim Management meist nur ein müdes Lächeln aus. Sie sind Schall und Rauch – sogenannte Vanity-Metriken, die das Ego streicheln, aber keine verlässliche Aussage über den Geschäftserfolg treffen.
Die Diskussion dreht sich oft um die Maximierung der Conversion Rate oder die Senkung des Cost-per-Click. Diese Optimierungen sind wichtig, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie bleiben in der operativen Logik der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gefangen, wo Marketing als reiner Kostenblock erscheint. Der wahre Hebel, um einen CEO zu überzeugen, liegt jedoch woanders: in der Sprache des Vorstands, der Bilanz-Logik. Es geht nicht darum, Kosten zu rechtfertigen, sondern darum, den Aufbau von nachhaltigem Unternehmenswert nachzuweisen.
Doch wie übersetzt man eine Branding-Kampagne in Bilanzsprache? Wie beweist man, dass ein teurerer B2B-Lead auf LinkedIn eine bessere Investition ist als ein günstiger auf Facebook? Die Antwort liegt in der konsequenten Abkehr von oberflächlichen Kennzahlen hin zu KPIs, die als Frühindikatoren für den zukünftigen Unternehmenswert fungieren. Es ist an der Zeit, Marketing als Investition zu positionieren, die einen messbaren Burggraben (Marketing-Moat) um Ihr Unternehmen zieht und dessen Bewertung langfristig steigert.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden KPIs und Denkmodelle, mit denen Sie den wahren Wertschöpfungsbeitrag Ihres Marketings beweisen. Wir werden analysieren, wie Sie von wertlosen Metriken zu harten, wertorientierten Kennzahlen gelangen, die jeder Diskussion im Vorstand standhalten.
Inhaltsverzeichnis: Marketing-KPIs, die den Unternehmenswert beweisen
- Warum sind „Likes“ und „Pageviews“ wertlos für Ihre Umsatzprognose?
- Wie viel ist ein Kunde über 5 Jahre wert und was bedeutet das für Ihr Werbebudget?
- Last-Click oder Multi-Touch: Welcher Kanal hat den Kauf wirklich ausgelöst?
- LinkedIn oder Facebook: Wo ist der B2B-Lead zwar teurer, aber qualitativ besser?
- Wie finden Sie heraus, ob Ihre Klickraten im Branchenschnitt liegen?
- Warum der reine Umsatzblick Ihren Unternehmenswert verzerrt
- Warum zeigt Ihnen der Umsatz des letzten Monats nicht, wie es dem Unternehmen heute geht?
- Wie berechnen Sie den ROI einer Branding-Kampagne, die keinen direkten Umsatz bringt?
Warum sind „Likes“ und „Pageviews“ wertlos für Ihre Umsatzprognose?
Die Faszination für Vanity-Metriken wie Likes, Pageviews oder Follower-Wachstum ist verständlich: Sie sind einfach zu messen und vermitteln ein Gefühl des Fortschritts. Für eine robuste Umsatzprognose sind sie jedoch unbrauchbar, da sie keine Korrelation zur Kaufabsicht aufweisen. Ein „Like“ ist keine Zusage, und ein Pageview ist keine Garantie für qualifiziertes Interesse. Diese Kennzahlen messen Aktivität, nicht aber den wirtschaftlichen Wert dieser Aktivität. Sie existieren isoliert von der Vertriebspipeline und ignorieren die Qualität der erreichten Zielgruppe.
Die entscheidende Verschiebung in der Denkweise besteht darin, von reiner Reichweite zu qualifiziertem Engagement überzugehen. Der Fokus muss auf Metriken liegen, die eine direkte Verbindung zur Sales-Pipeline herstellen. Eine globale Studie unterstreicht diesen Wandel: Bereits heute geben 64% der Marketingverantwortlichen an, die Marketing- und Vertriebspipeline als ihre wichtigste Erfolgskennzahl zu verfolgen. Dies zeigt, dass der Trend weg von isolierten Marketingzielen hin zu integrierten, umsatzrelevanten KPIs geht.
Statt der Anzahl der Pageviews sollten Sie die Anzahl der Marketing Qualified Leads (MQLs) oder noch besser, die MQL-to-SQL-Conversion-Rate (Sales Qualified Lead) messen. Statt der reinen Anzahl an Interaktionen sollten Sie eine gewichtete Engagement-Rate einführen. Eine Interaktion von einem C-Level-Entscheider hat einen ungleich höheren Wert als die von einem Studenten. Es geht darum, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ressourcen auf die Kontakte zu konzentrieren, die ein echtes Umsatzpotenzial bergen. Die Abkehr von Vanity-Metriken ist der erste, notwendige Schritt, um die Sprache des CEOs zu sprechen: die Sprache des Umsatzes und des nachhaltigen Wachstums.
Ihr Aktionsplan: Von Vanity-Metriken zu wertvollen KPIs
- Engagement-Qualitäts-Scores definieren: Gewichten Sie Interaktionen nach der Relevanz der Zielgruppe. Eine Interaktion von einem C-Level-Kontakt könnte beispielsweise mit Faktor 10 bewertet werden, die eines Studenten nur mit Faktor 1.
- Pipeline-Coverage-Ratio implementieren: Nutzen Sie diese Kennzahl als Gesundheitsindikator für zukünftige Umsätze. Ein gängiger Richtwert ist eine mindestens dreifache Pipeline-Abdeckung für die Quartalsziele.
- Fokus auf Zero-Party-Daten legen: Priorisieren Sie DSGVO-konforme Daten, die Nutzer Ihnen bewusst geben (z.B. durch Whitepaper-Downloads), statt auf unzuverlässige, Cookie-basierte Pageviews zu setzen.
Wie viel ist ein Kunde über 5 Jahre wert und was bedeutet das für Ihr Werbebudget?
Die Konzentration auf den einmaligen Verkauf und die damit verbundenen Akquisekosten (Customer Acquisition Cost, CAC) ist ein klassischer Fehler, der zu kurzfristigen und oft falschen Entscheidungen führt. Ein CEO denkt in Investitionszyklen. Daher müssen Sie Ihr Marketingbudget nicht anhand einer einzelnen Transaktion rechtfertigen, sondern anhand des gesamten Werts, den ein Kunde über seine Lebensdauer generiert – dem Customer Lifetime Value (CLV). Diese Kennzahl ist ein zentraler Unternehmenswert-Hebel.
Die Berechnung des CLV ermöglicht eine völlig neue Perspektive auf Ihr Werbebudget. Kanäle, die auf den ersten Blick teuer erscheinen, können sich als hochprofitabel erweisen, wenn sie Kunden mit einem hohen CLV anziehen. Ein gesundes Unternehmen weist typischerweise ein 3:1 LTV:CAC-Verhältnis auf, was als etablierter Benchmark für profitable Kundenakquisition, insbesondere im deutschen Mittelstand, gilt. Das bedeutet, der Wert eines Kunden sollte mindestens dreimal so hoch sein wie die Kosten seiner Akquise.
Dieser Paragraph führt das Konzept einer Illustration ein. Die visuelle Darstellung der CLV-Berechnung hilft, diesen komplexen, aber entscheidenden KPI zu veranschaulichen.

Wie das Schaubild andeutet, ist der CLV keine statische Zahl, sondern eine Summe wiederkehrender Werte. Die Analyse, welche Kanäle Kunden mit dem höchsten CLV liefern, ist ein entscheidender strategischer Vorteil. Sie erlaubt es Ihnen, Ihr Budget von reiner Effizienz (niedrigster CAC) auf maximale Effektivität (höchster CLV) umzustellen und damit den Unternehmenswert direkt zu steigern.
Fallstudie: B2B-SaaS-Unternehmen optimiert Akquise-Kanäle nach CLV-Analyse
Eine Analyse bei deutschen B2B-SaaS-Unternehmen zeigte, dass organisch über SEO gewonnene Kunden durchschnittlich 15% höhere CLV-Werte aufweisen als Kunden aus Paid-Traffic-Kampagnen. Diese datengestützte Erkenntnis führte zu einer strategischen Umschichtung des Budgets: 40% mehr Investition in hochwertigen SEO-Content und eine Reduzierung der Ausgaben für kurzfristige Performance-Kampagnen um 25%. Das Ergebnis war eine nachhaltige Steigerung der Profitabilität.
Last-Click oder Multi-Touch: Welcher Kanal hat den Kauf wirklich ausgelöst?
Die Frage „Welcher Kanal hat den Kauf ausgelöst?“ ist eine der komplexesten im Marketing-Controlling. Das standardmässige Last-Click-Modell, das 100% des Erfolgs dem letzten Touchpoint vor der Konversion zuschreibt, ist eine gefährliche Vereinfachung. Es ignoriert systematisch die Wirkung von Branding-Massnahmen, Content-Marketing und initialen Kontaktpunkten, die den Kunden erst auf den Weg gebracht haben. Für einen CEO, der den gesamten Marketing-Mix bewerten will, ist dieses Modell unzureichend und führt zu falschen Budget-Allokationen.
Um eine realistische Bewertung der Kanäle zu erhalten, sind Multi-Touch-Attributionsmodelle unerlässlich. Diese Modelle verteilen den Wert einer Konversion auf mehrere Touchpoints in der Customer Journey. Welches Modell das richtige ist, hängt stark vom Geschäftsmodell und der typischen Länge des Verkaufszyklus ab. In Deutschland kommt die Herausforderung der DSGVO hinzu, die das individuelle User-Tracking erschwert und cookie-lose Ansätze in den Vordergrund rückt.
Die folgende Tabelle, basierend auf Analysen im deutschen B2B-Kontext, gibt einen Überblick über gängige Modelle und ihre Anwendungsbereiche.
| Modell | Beste Anwendung | Typische B2B-Journey | DSGVO-Konformität |
|---|---|---|---|
| U-förmiges Modell | 9-monatiger B2B Sales Cycle | Messe → Whitepaper → XING → Suche | Hoch (aggregierte Daten) |
| Marketing Mix Modeling | Cookie-lose Umgebung | Kohortenbasierte Analyse | Sehr hoch |
| Datengetriebenes Modell | B2C E-Commerce | Social → Search → Direct | Mittel (Consent nötig) |
Die Wahl des richtigen Modells ist entscheidend, um den wahren Wertschöpfungsbeitrag jedes Kanals zu verstehen. Insbesondere das Marketing Mix Modeling (MMM) gewinnt an Bedeutung, da es auf aggregierten Daten basiert und somit den strengen deutschen Datenschutzanforderungen besser gerecht wird.
Wie Dr. Sepita Ansari Pir Seraei im KPI-Leitfaden des BVDW betont, verändert die Datenschutz-Grundverordnung die Spielregeln fundamental:
Die DSGVO-Herausforderung macht User-Level-Tracking in Deutschland nahezu unmöglich. Marketing-Mix-Modeling und Kohortenanalysen sind die datenschutzkonforme Zukunft der Attribution.
– Dr. Sepita Ansari Pir Seraei, BVDW KPI-Leitfaden Content Marketing
LinkedIn oder Facebook: Wo ist der B2B-Lead zwar teurer, aber qualitativ besser?
Die reine Fokussierung auf den Cost-per-Lead (CPL) ist ein weiterer klassischer Fehler, der zu teuren Fehlentscheidungen führt. Ein günstiger Lead ist wertlos, wenn er nicht konvertiert. Die entscheidende Kennzahl für den CEO ist nicht der CPL, sondern die Cost-per-SQL (Sales Qualified Lead) oder, noch besser, die Kosten pro gewonnenem Auftrag. Die Qualität eines Leads ist ein weitaus stärkerer Hebel für die Profitabilität als dessen reiner Akquisitionspreis.
Im B2B-Kontext ist der Unterschied besonders gravierend. Plattformen wie LinkedIn sind in der Regel deutlich teurer als Facebook, liefern aber oft eine ungleich höhere Lead-Qualität. Daten für den deutschen B2B-Bereich belegen, dass LinkedIn-Leads eine um 15% höhere SQL-Konversionsrate zeigen als Leads von anderen Social-Media-Plattformen. Diese höhere Konversionswahrscheinlichkeit rechtfertigt oft einen deutlich höheren CPL, da die letztendlichen Kosten pro echtem Verkaufschance niedriger ausfallen.
Die Kunst besteht darin, eine Balance zwischen Kosten und Qualität zu finden. Es geht nicht darum, den billigsten Kanal zu finden, sondern den mit dem besten Verhältnis von Investition zu qualifiziertem Ertrag. Dies erfordert ein lückenloses Tracking von der ersten Interaktion bis zum Geschäftsabschluss.

Die Bewertung der Lead-Qualität geht über die reine Konversionsrate hinaus. Faktoren wie die durchschnittliche Deal-Grösse oder der CLV der über einen Kanal gewonnenen Kunden müssen in die Analyse einfliessen. Nur so lässt sich eine ganzheitliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchführen, die vor dem CEO Bestand hat.
Fallstudie: XING vs. LinkedIn im deutschen Mittelstand
Eine Analyse unter deutschen Mittelständlern im Maschinenbau-Sektor offenbarte ein interessantes Bild: Obwohl LinkedIn global dominiert, lieferte die deutsche Plattform XING für traditionelle Industriezweige und die öffentliche Verwaltung eine um 20% bessere Lead-Qualität. Die Cost-per-SQL lag bei XING bei 180 €, während sie bei LinkedIn 220 € betrug. Dies zeigt, wie wichtig eine differenzierte, branchenspezifische Kanalbewertung jenseits globaler Trends ist.
Wie finden Sie heraus, ob Ihre Klickraten im Branchenschnitt liegen?
Der Vergleich mit Branchenbenchmarks ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt er eine grobe Orientierung, wo man im Vergleich zum Wettbewerb steht. Andererseits sind diese Durchschnittswerte oft irreführend. Jedes Unternehmen hat eine andere Markenbekanntheit, eine andere Zielgruppe und andere Preisstrukturen. Eine Klickrate (CTR) von 2% kann für eine etablierte Marke mit hohem Wiedererkennungswert unterdurchschnittlich sein, während sie für einen neuen Marktteilnehmer ein grosser Erfolg ist.
Externe Benchmarks ignorieren Ihre spezifische strategische Ausgangslage. Sie verleiten dazu, generischen Zielen nachzujagen, anstatt sich auf die Verbesserung der eigenen, historischen Performance zu konzentrieren. Ein CEO ist weniger an einem abstrakten Branchenschnitt interessiert als an einer klaren, nachweisbaren Steigerung der eigenen Effizienz im Jahresvergleich (Year-over-Year). Eine Steigerung der eigenen Lead-Conversion-Rate um 20% ist ein viel härterer und überzeugenderer KPI als das Erreichen eines vagen Industriedurchschnitts.
Der Fokus sollte daher auf der Etablierung eines robusten internen Benchmarkings liegen. Definieren Sie Ihre eigenen Basiswerte und setzen Sie sich ambitionierte, aber realistische Verbesserungsziele. Dies schafft nicht nur eine klare Erfolgsmessung, sondern motiviert auch das Team, sich kontinuierlich zu verbessern, anstatt sich auf externen Lorbeeren auszuruhen.
Diese Sichtweise wird auch von führenden Branchenexperten in Deutschland geteilt. Rasmus Giese, Vorsitzender des Online-Vermarkterkreises (OVK), bringt es auf den Punkt:
Der wichtigste Benchmark ist Ihre eigene historische Performance. Eine Jahr-über-Jahr-Verbesserung von 20% ist aussagekräftiger als ‚im Branchenschnitt‘.
– Rasmus Giese, OVK-Vorsitzender, United Internet Media
Der intelligenteste Benchmark ist also immer der, den Sie selbst setzen. Er ist die Grundlage für eine glaubwürdige Erfolgsgeschichte, die Sie Ihrem CEO präsentieren können – eine Geschichte von messbarem, internem Fortschritt.
Warum der reine Umsatzblick Ihren Unternehmenswert verzerrt
Umsatz ist eine der am häufigsten missverstandenen Kennzahlen. Er ist ein Spätindikator, der die Vergangenheit beschreibt, aber nur bedingt die Zukunft prognostiziert. Noch wichtiger: Nicht jeder Euro Umsatz ist gleich viel wert. Ein CEO, und insbesondere Investoren, bewerten ein Unternehmen nicht primär nach seinem aktuellen Umsatz, sondern nach der Qualität und Vorhersehbarkeit zukünftiger Einnahmen. Hier kommt das Konzept der wiederkehrenden Umsätze (Recurring Revenue) ins Spiel, ein entscheidender Unternehmenswert-Hebel.
Unternehmen, die einen hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen aus Abonnements, Wartungsverträgen oder Lizenzmodellen vorweisen können, sind für Investoren weitaus attraktiver. Diese Einnahmen sind planbar und reduzieren das Geschäftsrisiko erheblich. Daten belegen diesen Zusammenhang eindrucksvoll: Statistiken aus dem deutschen Markt zeigen, dass Unternehmen mit einem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze eine 5- bis 7-fach höhere Bewertung erzielen als solche, die rein auf transaktionalem Geschäft basieren. Ihre Aufgabe als Marketingleiter ist es, nachzuweisen, wie Ihre Aktivitäten zu diesem wertvolleren Umsatz beitragen.
Marketing kann diesen Wert aufbauen, indem es nicht nur einmalige Käufe, sondern Kundenbindung und Loyalität fördert. Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist der Aufbau eines „Marketing-Moat“ – eines schwer kopierbaren Wettbewerbsvorteils durch Marketing-Assets. Dies können eine grosse, engagierte E-Mail-Liste, eine starke Markenbekanntheit, die zu hohem Direct Traffic führt, oder eine Community sein. Diese Assets reduzieren die Abhängigkeit von teuren Werbekanälen und erhöhen die Preissetzungsmacht. Sie sind ein immaterieller Vermögenswert in Ihrer Bilanz.
Fallstudie: „Marketing-Moat“ als Bewertungsfaktor im deutschen Mittelstand
Ein deutscher SaaS-Anbieter konnte seine Unternehmensbewertung um 40% steigern, indem er den Nachweis eines „Marketing-Moats“ erbrachte. Durch den Aufbau einer Newsletter-Liste mit 50.000 Abonnenten und einem Direct-Traffic-Anteil von 80% an den Website-Besuchen reduzierte das Unternehmen seine Customer Acquisition Costs (CAC) um 35%. Dieser Nachweis einer geringeren Abhängigkeit vom bezahlten Wettbewerb und einer starken, direkten Kundenbeziehung wurde von den Bewertern als signifikanter, wertsteigernder Faktor anerkannt.
Warum zeigt Ihnen der Umsatz des letzten Monats nicht, wie es dem Unternehmen heute geht?
Sich auf den Umsatz des letzten Monats zu verlassen, ist wie beim Autofahren nur in den Rückspiegel zu schauen. Es ist ein Spätindikator – ein Ergebnis vergangener Anstrengungen. Er gibt keine Auskunft darüber, was in den nächsten drei, sechs oder zwölf Monaten passieren wird. Ein CEO benötigt jedoch Frühindikatoren, um proaktiv steuern zu können. Ihre Aufgabe als Marketingverantwortlicher ist es, genau diese vorhersagenden Kennzahlen aus der Pipeline zu liefern, die einen Blick durch die Windschutzscheibe ermöglichen.
Die Sales-Pipeline ist die wichtigste Quelle für diese Frühindikatoren. Kennzahlen wie das Pipeline-Wachstum (der Wert aller neuen Opportunities), die MQL-Velocity (die Geschwindigkeit, mit der neue Marketing-Leads generiert werden) oder die durchschnittliche Verweildauer in den einzelnen Pipeline-Stufen sind weitaus aussagekräftiger als der reine Umsatz. Ein besonders wichtiger Indikator ist die Pipeline-Coverage-Ratio. Sie beschreibt das Verhältnis des Werts der gesamten Pipeline zum Umsatzziel. Im B2B-Umfeld gilt eine 4,5-fache Pipeline-Coverage als optimaler Puffer, um Umsatzziele mit hoher Sicherheit zu erreichen.
Dieser Paragraph stellt eine Illustration vor, welche die Dynamik der Sales-Pipeline und die Bedeutung von Frühindikatoren visuell greifbar macht.

Wie die Visualisierung andeutet, ist nicht nur das Volumen der Pipeline entscheidend, sondern auch ihre Geschwindigkeit. Eine sich schnell bewegende Pipeline mit kurzen Verweildauern ist ein starkes Signal für einen gesunden und effizienten Vertriebsprozess, den das Marketing massgeblich beeinflusst.
Die folgende Tabelle stellt die unterschiedliche Prognosekraft von Spät- und Frühindikatoren gegenüber und zeigt, warum der Fokus auf Letztere für eine strategische Unternehmensführung unerlässlich ist.
| Spätindikator | Frühindikatoren | Prognosekraft |
|---|---|---|
| Monatsumsatz | Pipeline-Wachstum, MQL-Velocity | 3-6 Monate Vorlauf |
| Kundenzahl | Trial-Aktivierungsrate, Onboarding-Completion | 30-60 Tage Vorlauf |
| Marktanteil | Share of Voice, Brand Search Volume | 6-12 Monate Vorlauf |
Das Wichtigste in Kürze
- Von Kosten zu Vermögenswerten: Rechtfertigen Sie Ihr Budget nicht als Ausgabe, sondern als Investition in messbare Unternehmenswerte wie CLV und Markenbekanntheit.
- Qualität vor Quantität: Konzentrieren Sie sich auf die Cost-per-SQL und die Konversionsraten hochwertiger Leads anstatt auf den reinen Cost-per-Lead.
- Die Zukunft vorhersagen: Nutzen Sie Frühindikatoren wie die Pipeline-Velocity, um dem CEO verlässliche Prognosen zu liefern, anstatt nur vergangene Umsätze zu reporten.
Wie berechnen Sie den ROI einer Branding-Kampagne, die keinen direkten Umsatz bringt?
Branding-Kampagnen sind der Endgegner jedes Marketing-Controllers. Ihr Effekt ist selten direkt in den Umsatzzahlen sichtbar, was ihre Rechtfertigung gegenüber einem zahlengetriebenen CEO erschwert. Der Schlüssel liegt darin, den indirekten, aber massiven Einfluss von Branding auf andere, harte KPIs nachzuweisen. Eine starke Marke ist kein Selbstzweck, sondern ein mächtiger Effizienz-Hebel für alle anderen Marketing- und Vertriebsaktivitäten.
Der wichtigste messbare Effekt von Branding ist die Reduzierung der Customer Acquisition Costs (CAC). Eine bekannte und vertrauenswürdige Marke senkt die Hürden im gesamten Akquiseprozess. Kunden sind eher bereit, auf eine Anzeige zu klicken (höhere CTR), ihre Daten für einen Download preiszugeben (höhere Conversion Rate) und dem Vertrieb ein offenes Ohr zu schenken. Studien zeigen, dass erfolgreiche Branding-Kampagnen die CAC nach 6-12 Monaten um durchschnittlich 23% senken können. Diese Einsparung ist ein harter, in Euro messbarer ROI.
Weitere messbare Indikatoren für den Branding-ROI sind die Entwicklung des „Branded Search“-Volumens (wie oft nach Ihrem Markennamen gesucht wird) und der Anteil des Direct Traffics auf Ihrer Website. Ein Anstieg dieser Kennzahlen beweist, dass Ihre Marke an Bekanntheit gewinnt und Sie unabhängiger von teuren Paid-Kanälen werden. Die eingesparten Werbekosten für diesen organischen Traffic können direkt als Wertbeitrag der Branding-Investition verbucht werden.
Fallstudie: Employer Branding ROI im deutschen Fachkräftemangel
Ein deutsches IT-Unternehmen investierte gezielt in Employer Branding, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Kampagne hatte keinen direkten Produkt-ROI, aber die indirekten Effekte waren enorm: Die Cost-per-Hire sank von 8.500 € auf 5.200 €, was zu einer jährlichen Einsparung von 180.000 € an Headhunter-Gebühren führte. Ein positiver Echo-Effekt war ein 40%iger Anstieg der „Branded Search“-Anfragen, was eingesparten Google Ads-Kosten von rund 25.000 € pro Jahr entsprach. Der ROI war somit klar und überzeugend nachweisbar.
Indem Sie die Sprache des Vorstands sprechen und Marketing-Erfolge in Form von gesteigertem Unternehmenswert, reduzierten Akquisekosten und verlässlichen Zukunftsprognosen präsentieren, wandeln Sie sich vom Kostenverursacher zum unentbehrlichen strategischen Partner. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Reporting auf diese wertorientierten KPIs umzustellen, um die nächste Budgetdiskussion souverän zu meistern.