Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist die jahrzehntelange Treue zu Ihrer Hausbank kein Sicherheitsnetz, sondern Ihr grösstes unternehmerisches Klumpenrisiko.

  • Versteckte Vertragsklauseln (Covenants) können zur fristlosen Kündigung Ihrer Kreditlinien führen, selbst wenn Sie alle Raten pünktlich zahlen.
  • Die alleinige Abhängigkeit von einem Finanzpartner macht Sie erpressbar und bremst strategische Investitionen und Wachstum aus.

Empfehlung: Bauen Sie proaktiv eine strategische Kapitalarchitektur mit mehreren Finanzierungssäulen auf, um Ihre finanzielle Souveränität langfristig zu sichern.

Im deutschen Mittelstand ist die Beziehung zur Hausbank oft mehr als nur eine Geschäftsverbindung. Sie ist über Jahrzehnte gewachsen, basiert auf Vertrauen und einem Handschlag, der mehr zählt als das gedruckte Wort. Ihr Bankberater kennt Ihre Familie, Ihre Unternehmensgeschichte und war bei jeder Expansion an Ihrer Seite. Diese Loyalität fühlt sich sicher an, wie ein Fels in der Brandung. Doch genau hier lauert die grösste Gefahr für Ihre unternehmerische Zukunft. In meiner Praxis als unabhängiger Finanzberater sehe ich immer wieder, wie diese vermeintliche Sicherheit zur gefährlichen Abhängigkeitsfalle wird.

Die landläufige Meinung ist, dass eine gute Beziehung zur Bank ausreicht, um Krisen zu überstehen. Man verlässt sich darauf, dass der Berater schon helfen wird, wenn es eng wird. Doch die Realität sieht anders aus: Banken sind heute strenger reguliert als je zuvor (Basel III/IV). Rating-Systeme und automatisierte Prozesse haben den persönlichen Spielraum des Beraters dramatisch eingeschränkt. Was passiert, wenn Ihr Rating unverschuldet sinkt? Wenn die Bank ihre strategische Ausrichtung ändert und Ihre Branche plötzlich als „riskant“ einstuft? Die Wahrheit ist: Ihre jahrzehntelange Treue schützt Sie nicht vor einer plötzlichen Kündigung Ihrer Kreditlinie.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Sie Ihrer Hausbank vertrauen können. Die Frage ist, ob Sie es sich leisten können, Ihre gesamte unternehmerische Existenz auf nur eine einzige Säule zu stützen. Die wahre unternehmerische Freiheit – Ihre finanzielle Souveränität – beginnt dort, wo Sie die Macht haben, „Nein“ zu sagen. Wo Sie Optionen haben. Dieser Artikel ist ein Weckruf. Er zeigt Ihnen nicht nur die stillen Kündigungshebel und versteckten Risiken in Ihrer aktuellen Finanzstruktur, sondern gibt Ihnen auch einen konkreten Fahrplan an die Hand, wie Sie eine robuste, diversifizierte Kapitalarchitektur aufbauen. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen, bevor Sie sie verlieren.

Um die Abhängigkeit von Ihrer Hausbank strategisch zu reduzieren, werden wir die verschiedenen Facetten einer modernen Finanzierungsstrategie beleuchten. Von der intelligenten Maschinenfinanzierung über innovative Kapitalquellen wie Crowdinvesting bis hin zum strategischen Einsatz Ihrer Immobilien – dieser Leitfaden bietet Ihnen praxiserprobte Lösungen.

Wie finanzieren Sie langfristige Maschinen, ohne in die Liquiditätsfalle zu tappen?

Die Anschaffung einer neuen Produktionsmaschine ist eine hohe Investition in die Zukunft, kann aber Ihre Liquidität empfindlich schwächen, wenn sie falsch finanziert wird. Der klassische Fehler ist die Finanzierung einer langlebigen Maschine mit einem kurzfristigen Betriebsmittelkredit. Dies widerspricht der Goldenen Bilanzregel, die besagt, dass langfristiges Vermögen auch langfristig finanziert werden muss. Eine Missachtung führt zu einem permanenten Refinanzierungsdruck und macht Sie von der kurzfristigen Gunst Ihrer Hausbank abhängig.

Eine moderne Strategie kombiniert verschiedene Instrumente. Langfristige Investitionskredite, beispielsweise von der KfW, bilden die Basis für die Grundauslastung. Für Spitzenlasten oder schnell veraltende Technologiekomponenten eignen sich hingegen flexible Modelle wie Pay-per-Use, bei denen Sie nur für die tatsächliche Nutzung zahlen. Dies schont die Liquidität und erhöht die Flexibilität. Ein weiterer Baustein kann Finetrading sein, das die Vorfinanzierung von Waren übernimmt und Ihnen längere Zahlungsziele bei Lieferanten sichert, was wiederum Skontovorteile von bis zu 3 % ermöglichen kann.

Die intelligenteste Finanzierungsarchitektur ist eine, die sich an der Nutzungsdauer und Wertentwicklung des Investitionsgutes orientiert. Anstatt starr an einem einzigen Modell festzuhalten, sollten Sie proaktiv ein Portfolio aus verschiedenen Laufzeiten und Flexibilitätsgraden aufbauen. Dies reduziert nicht nur das Liquiditätsrisiko, sondern stärkt auch Ihre Verhandlungsposition gegenüber einzelnen Finanzpartnern, da Sie nicht auf Gedeih und Verderb auf eine einzige Zusage angewiesen sind. Eine solche Diversifikation ist der erste Schritt zur finanziellen Souveränität.

Crowdinvesting oder Bankkredit: Was eignet sich besser für B2C-Produktinnovationen?

Wenn Sie ein neues Produkt direkt für den Endkunden (B2C) entwickeln, stehen Sie vor einer strategischen Wahl: der klassische Bankkredit oder der modernere Weg des Crowdinvesting? Während der Bankkredit oft mit niedrigeren Zinssätzen lockt, bietet Crowdinvesting einen unschätzbaren strategischen Vorteil, der weit über die reine Kapitalbeschaffung hinausgeht: die direkte Marktvalidierung. Sie erhalten nicht nur Geld, sondern auch den Beweis, dass es einen Markt für Ihre Idee gibt.

Eine erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagne ist ein mächtiges Marketinginstrument. Die mediale Aufmerksamkeit und die Community aus Unterstützern, die zu Markenbotschaftern werden, haben einen Wert, den kein Bankkredit bieten kann. Ein exzellentes Beispiel aus Deutschland ist die Haferkater GmbH, die für ihre Expansion in nur 26 Stunden 1.250.000 € über die Plattform Invesdor einsammelte. Dieses Vorgehen diente nicht nur der Finanzierung, sondern bewies auch eindrucksvoll das Marktpotenzial und ebnete den Weg für eine anschliessende, grössere Bankenfinanzierung zu deutlich besseren Konditionen.

Praxisbeispiel: Haferkater GmbH

Das Berliner Food-Startup Haferkater nutzte Crowdinvesting strategisch als ersten Schritt seiner Wachstumsfinanzierung. Über die Plattform Invesdor sammelte das Unternehmen 1.250.000 € in Rekordzeit ein. Der Gründer betonte, dass dieser Erfolg nicht nur Kapital brachte, sondern auch als starker „Proof of Concept“ für nachfolgende Gespräche mit klassischen Banken und VCs diente, was die gesamte Finanzierungsrunde erheblich beschleunigte und vereinfachte.

Die Entscheidung hängt von Ihrem Ziel ab. Benötigen Sie lediglich stilles Kapital, mag der Bankkredit ausreichen. Wollen Sie jedoch Ihre Produktidee am Markt testen, eine loyale Kundenbasis aufbauen und einen signifikanten Marketingeffekt erzielen, ist Crowdinvesting die strategisch überlegene Wahl. Oft ist die beste Strategie eine Kombination aus beidem: Crowdinvesting für den Markteintritt und die Validierung, gefolgt von einem Bankkredit für die Skalierung.

Wann lohnt es sich, die eigene Immobilie zu verkaufen und zurückzumieten?

Ihre Betriebsimmobilie ist oft der grösste Posten in Ihrer Bilanz – und damit gebundenes, „totes“ Kapital. Die Strategie des Sale-and-Lease-Back, also der Verkauf der eigenen Immobilie mit anschliessendem langfristigen Rückmietvertrag, kann eine enorme Menge an Liquidität freisetzen. Dieses Kapital können Sie dann für wachstumsstarke Investitionen in Maschinen, Digitalisierung oder Marktexpansion einsetzen, die eine deutlich höhere Rendite erzielen als das in „Beton“ gebundene Geld.

Dieser Schritt will jedoch gut überlegt sein, denn er birgt auch Risiken und ist keineswegs für jedes Unternehmen die richtige Lösung. Sie geben das Eigentum und damit einen Teil Ihrer unternehmerischen Freiheit auf. Zukünftige Umbauten oder Erweiterungen müssen mit dem neuen Eigentümer abgestimmt werden. Zudem führt der Verkauf zur Aufdeckung stiller Reserven, was eine unmittelbare Steuerbelastung auslösen kann. Diese muss gegen den Liquiditätsgewinn und die verbesserten Bilanzkennzahlen abgewogen werden. Ein entscheidender Vorteil: Die Bilanz verkürzt sich, das Anlagevermögen sinkt und die Eigenkapitalquote steigt – ein starkes positives Signal für Ihr Bankenrating.

Visualisierung des Sale-and-Lease-Back Entscheidungsprozesses

Die Entscheidung für oder gegen ein Sale-and-Lease-Back ist eine der weitreichendsten finanziellen Weichenstellungen. Sie erfordert eine sorgfältige Analyse der steuerlichen, bilanziellen und strategischen Konsequenzen. Bevor Sie diesen Weg in Erwägung ziehen, müssen Sie die Auswirkungen auf Ihre Bonität, Ihre stillen Reserven und Ihre zukünftige unternehmerische Flexibilität genau prüfen. Es ist ein mächtiges Werkzeug, aber nur, wenn es zur richtigen Zeit und aus den richtigen Gründen eingesetzt wird.

Ihre Checkliste für die Sale-and-Lease-Back-Entscheidung

  1. Auswirkungen auf Bankenrating: Bewerten Sie die positive Veränderung Ihrer Eigenkapitalquote durch die Umwandlung von Anlage- in Umlaufvermögen.
  2. Verlust stiller Reserven: Kalkulieren Sie den Wegfall der stillen Reserven in der Immobilie als zukünftige Kreditsicherheit für andere Finanzierungen.
  3. Steuerliche Folgen prüfen: Simulieren Sie die Steuerbelastung durch die Aufdeckung stiller Reserven und die eventuell anfallende Grunderwerbsteuer.
  4. Alternativen vergleichen: Stellen Sie die freigesetzte Liquidität den Kosten und Möglichkeiten alternativer Finanzierungen wie einem Immobilien-Teilverkauf oder einer erstrangigen Hypothek gegenüber.
  5. Unternehmerische Freiheit analysieren: Analysieren Sie die Klauseln im Mietvertrag bezüglich zukünftiger Umbauten, Untervermietung oder vorzeitiger Kündigungsoptionen.

Der Fehler beim Zinssparen im Ausland, der Ihre Marge auffressen kann

Auf der Suche nach höheren Zinsen für die Liquiditätsreserve des Unternehmens blicken viele Mittelständler ins europäische Ausland. Angebote aus den Niederlanden, Estland oder der Schweiz scheinen auf den ersten Blick attraktiver als die heimischen Konditionen. Doch hier lauert eine oft übersehene Kostenfalle: die Quellensteuer. Viele Länder behalten einen Teil der Zinserträge direkt als Steuer ein. Zwar können Sie sich diese Steuer über ein Doppelbesteuerungsabkommen oft zurückholen, doch der Prozess ist bürokratisch, langwierig und bindet administrative Ressourcen.

Ein typisches Beispiel ist die Schweiz, die eine hohe Quellensteuer auf Zinserträge erhebt. Die Rückerstattung kann Monate dauern und erfordert eine genaue Kenntnis der Formulare und Fristen. In dieser Zeit fehlt Ihnen die Liquidität, und die effektive Rendite Ihrer Anlage sinkt erheblich. Der vermeintliche Zinsvorteil wird so schnell von den administrativen Kosten und der verlorenen Opportunität aufgefressen. Dies ist ein klassischer Fall, bei dem der Brutto-Zinssatz die wahre Netto-Rendite verschleiert.

Ein weiterer, noch kritischerer Punkt ist die Einlagensicherung. Während in Deutschland Anlagen bis 100.000 € gesetzlich geschützt sind und die Bankenverbände oft weit darüber hinausgehende Sicherungssysteme etabliert haben, sind die Regelungen im Ausland oft weniger robust. Laut einer Analyse von Finanzierungsexperten variieren die Sicherungssysteme und die tatsächliche Durchsetzung im Krisenfall erheblich. Die Sicherheit Ihrer Liquiditätsreserve für einen marginal höheren Zins zu riskieren, ist ein unverantwortliches unternehmerisches Glücksspiel. Bevor Sie Geld ins Ausland transferieren, müssen Sie die Netto-Rendite nach Steuern und Aufwand sowie das reale Ausfallrisiko genauestens kalkulieren.

Wann führen Finanzkennzahlen im Kleingedruckten zur sofortigen Kreditkündigung?

Eine Bank kann einen laufenden Kreditvertrag fristlos kündigen, auch wenn Sie jede Rate pünktlich zahlen. Der Grund dafür sind sogenannte Financial Covenants. Das sind Finanzkennzahlen, die im Kleingedruckten Ihres Kreditvertrags festgelegt sind und die Sie über die gesamte Laufzeit einhalten müssen. Ein Bruch dieser Klauseln gibt der Bank das Recht zur sofortigen Fälligstellung des gesamten Kredits – ein stiller Kündigungshebel, der für viele Mittelständler das existenzielle Aus bedeuten kann.

Typische Covenants, die in deutschen Kreditverträgen verankert sind, umfassen:

  • Eine Mindest-Eigenkapitalquote (z. B. nicht unter 20 %)
  • Ein maximaler Verschuldungsgrad (z. B. nicht über 4 Jahre)
  • Die Einhaltung bestimmter Liquiditätsgrade
  • Beschränkungen für weitere Investitionen oder Ausschüttungen

Diese Klauseln sind die grösste Gefahr bei einer alleinigen Abhängigkeit von der Hausbank. Eine unvorhergesehene Marktentwicklung, eine grössere Investition oder sogar ein buchhalterischer Effekt kann eine dieser Kennzahlen reissen lassen. Ohne alternative Finanzierungsquellen sind Sie der Bank dann auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Sie müssen um einen „Waiver“ (eine befristete Aussetzung der Klausel) betteln und akzeptieren dafür oft drastisch verschlechterte Konditionen.

Überwachung kritischer Finanzkennzahlen

Proaktives Management ist hier der einzige Schutz. Sie müssen Ihre Covenants nicht nur kennen, sondern deren Entwicklung monatlich simulieren und ein Frühwarnsystem etablieren. Eine proaktive Kommunikation mit der Bank bei einem sich abzeichnenden Bruch ist essenziell, um Vertrauen zu wahren. Doch der wirksamste Schutz ist eine diversifizierte Finanzierungsstruktur. Wenn eine Bank kündigt, während andere Finanzpartner stabil an Ihrer Seite stehen, verwandelt sich eine existenzielle Krise in ein lösbares operatives Problem. Das ist der Kern finanzieller Souveränität.

Leasing oder Finanzierung: Was schont Ihre Bilanzkennzahlen stärker?

Die Entscheidung zwischen Leasing und klassischer Kreditfinanzierung ist mehr als eine Frage der monatlichen Rate. Es ist eine strategische Entscheidung mit direkten Auswirkungen auf Ihre Bilanz und Ihr Bankenrating. Insbesondere das Operating Leasing nach HGB-Standard hat einen entscheidenden Vorteil: Der Leasinggegenstand erscheint nicht in Ihrer Bilanz. Er wird nicht als Anlagevermögen aktiviert, und es entsteht keine Verbindlichkeit. Die Folge ist eine optisch „schlankere“ Bilanz.

Diese Bilanzverkürzung hat einen direkten positiven Effekt auf Ihre Eigenkapitalquote. Da die Bilanzsumme niedriger ist, steigt die Quote bei gleichem Eigenkapital prozentual an. Laut einer aktuellen Erhebung von KfW Research liegt die Eigenkapitalquote deutscher KMU 2024 bei durchschnittlich 32 %. Eine höhere Quote wird von Banken und Ratingagenturen im Rahmen von Basel III/IV als Zeichen finanzieller Stabilität und geringeren Risikos gewertet. Leasing kann also ein gezieltes Instrument zur Verbesserung Ihres Ratings sein, was Ihnen wiederum bessere Konditionen bei zukünftigen Finanzierungen sichert.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer vergleichenden Analyse für den Mittelstand, zeigt die wesentlichen Unterschiede auf:

Leasing vs. Finanzierung – Bilanzauswirkungen
Aspekt Operating Lease (HGB) Kreditfinanzierung
Bilanzierung Ausserbilanziell Aktivierung als Anlagevermögen
Eigenkapitalquote Bleibt unverändert hoch Sinkt durch Bilanzverlängerung
Liquiditätsbelastung Gleichmässige Leasingraten Zins und Tilgung
IFRS 16 Regelung Bilanzierung erforderlich Bilanzierung erforderlich
Basel III/IV Rating Positiver Effekt Neutraler bis negativer Effekt

Es ist jedoch Vorsicht geboten: Für Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, wurde dieser Vorteil mit der Einführung von IFRS 16 weitgehend aufgehoben. Hier müssen Nutzungsrechte aus Leasingverträgen ebenfalls bilanziert werden. Für den Grossteil des deutschen Mittelstands, der nach HGB bilanziert, bleibt Leasing jedoch ein wirksames Instrument zur gezielten Steuerung der Bilanzkennzahlen und zur Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber der Hausbank.

Warum ist die typisch stille Beteiligung für Familienunternehmen so attraktiv?

Für viele deutsche Familienunternehmen ist die unternehmerische Unabhängigkeit das höchste Gut. Der Gedanke, für Wachstumskapital Stimmrechte abgeben und externe Manager ins Unternehmen holen zu müssen, ist ein Albtraum. Genau hier bietet die stille Beteiligung, eine Form des Mezzanine-Kapitals, eine elegante Lösung. Ein stiller Gesellschafter bringt Kapital ein, erhält dafür eine Gewinnbeteiligung, hat aber – anders als ein klassischer Eigenkapitalgeber – keinerlei Mitspracherechte im operativen Geschäft. Die volle unternehmerische Kontrolle bleibt in der Familie.

Diese Finanzierungsform ist besonders attraktiv, weil die Kapitalgeber oft ein anderes Interesse haben als klassische Venture-Capital-Fonds. Insbesondere die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) der Bundesländer haben einen öffentlichen Auftrag zur Stärkung des Mittelstands. Sie sind an langfristigen, stabilen Partnerschaften interessiert und nicht an einem schnellen „Exit“ mit maximalem Gewinn. Sie agieren als verlässliche Partner, die die Kultur von Familienunternehmen verstehen und respektieren. Dies schafft eine Vertrauensbasis, die mit rein profitorientierten Investoren nur schwer zu erreichen ist.

Vertrauensvolle Partnerschaft im Familienunternehmen

Ein weiterer, oft entscheidender Vorteil ist steuerlicher Natur. Bei einer „atypisch“ stillen Beteiligung kann die Vergütung an den Gesellschafter unter bestimmten Umständen als Betriebsausgabe geltend gemacht werden, was die Steuerlast des Unternehmens senkt. Dies ist ein signifikanter Vorteil gegenüber der Dividende aus klassischem Eigenkapital, die aus bereits versteuertem Gewinn gezahlt wird. Die stille Beteiligung stärkt somit nicht nur die Kapitalbasis (sie wird als Quasi-Eigenkapital gewertet und verbessert die Bonität), sondern schont auch die Liquidität durch Steuervorteile.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klumpenrisiko erkennen: Die totale Abhängigkeit von einer Hausbank ist keine Sicherheit, sondern eine existenzielle Bedrohung durch versteckte Klauseln (Covenants).
  • Strategisch diversifizieren: Bauen Sie eine Kapitalarchitektur aus verschiedenen Säulen (Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital, Crowdinvesting), um Ihre finanzielle Souveränität zu sichern.
  • Kennzahlen proaktiv managen: Überwachen Sie Ihre Finanzkennzahlen aktiv, um nicht unvorbereitet in eine Covenant-Falle zu tappen und die Kontrolle zu verlieren.

Wie reduzieren Sie die Abhängigkeit von einem Grosskunden, der 40 % Ihres Umsatzes ausmacht?

Das Prinzip des Klumpenrisikos gilt nicht nur für Ihre Finanzierung, sondern auch für Ihren Kundenstamm. Eine Abhängigkeit von einem einzigen Grosskunden, der 30 %, 40 % oder mehr Ihres Umsatzes ausmacht, ist ebenso gefährlich wie die Abhängigkeit von einer einzigen Bank. Der plötzliche Verlust dieses Kunden – sei es durch Insolvenz, einen Strategiewechsel oder den Wettbewerb – kann Ihr gesamtes Unternehmen ins Wanken bringen. Die Diversifizierung Ihres Kundenportfolios ist daher ein ebenso wichtiger Baustein Ihrer unternehmerischen Risikostrategie.

Ein wirksames Instrument zur sofortigen Risikoreduzierung ist das echte Factoring. Dabei verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen an einen Factor, der Ihnen den Betrag sofort auszahlt und – das ist der entscheidende Punkt – das volle Ausfallrisiko (Delkredererisiko) übernimmt. Fällt der Kunde aus, ist das das Problem des Factors, nicht Ihres. Dies verbessert nicht nur Ihre Liquidität, sondern bereinigt auch Ihre Bilanz von potenziellen Risiken, was sich wiederum positiv auf Ihr Bankenrating auswirkt.

Langfristig ist jedoch die strategische horizontale Diversifikation der einzige nachhaltige Schutz. Suchen Sie aktiv nach neuen Anwendungsfeldern und Branchen für Ihre bestehenden Kernkompetenzen. Ein Automobilzulieferer, der seine Präzisionstechnik erfolgreich für die Medizintechnik adaptiert, ist ein klassisches Beispiel. Dieser Schritt erfordert Mut und Investitionen, reduziert aber die Abhängigkeit von den Konjunkturzyklen einer einzigen Branche. Der deutsche Mittelstand, von dem rund 83% einen Jahresumsatz bis 1 Mio. EUR haben, muss diese strategische Agilität entwickeln, um langfristig überlebensfähig zu bleiben. Eine breite Kundenbasis ist die beste Versicherung gegen unvorhersehbare Marktschwankungen.

Die Reduzierung von Abhängigkeiten ist ein strategisches Gebot. Betrachten Sie die Schritte zur Risikominimierung im Kundenportfolio als integralen Bestandteil Ihrer Gesamtstrategie.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Finanz- und Kundenstruktur kritisch zu analysieren. Der erste Schritt zur finanziellen Souveränität ist die ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Abhängigkeiten. Erstellen Sie einen Plan zur Diversifizierung – es ist die beste Investition in die Zukunft und die Unabhängigkeit Ihres Unternehmens.

Häufige Fragen zur Diversifikation der Finanzierungsquellen

Was ist ein Klumpenrisiko bei Banken?

Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein Unternehmen übermässig von einem einzigen Finanzierungspartner (der Hausbank) abhängig ist. Fällt dieser Partner aus oder ändert er seine Kreditpolitik, ist die Existenz des Unternehmens gefährdet. Es fehlt an alternativen Kapitalquellen, um den Ausfall zu kompensieren.

Kann eine Bank einen Kredit einfach so kündigen?

Ja. Auch wenn Sie Ihre Raten pünktlich zahlen, kann eine Bank einen Kredit fristlos kündigen, wenn Sie gegen sogenannte „Financial Covenants“ verstossen. Das sind im Kreditvertrag festgelegte Finanzkennzahlen (z.B. eine Mindest-Eigenkapitalquote), die Sie permanent einhalten müssen. Ein Bruch dieser Klauseln stellt einen Vertragsbruch dar und berechtigt die Bank zur sofortigen Kündigung.

Welche Alternativen gibt es zum klassischen Bankkredit?

Es gibt eine Vielzahl von Alternativen, die je nach Zweck und Unternehmensphase sinnvoll sind. Dazu gehören unter anderem Leasing zur Bilanzschonung, Factoring zur Liquiditäts- und Risikosteuerung, Mezzanine-Kapital (z.B. stille Beteiligungen) für Wachstum ohne Kontrollverlust, Crowdinvesting zur Marktvalidierung und staatliche Förderkredite (z.B. von der KfW) mit günstigen Konditionen.

Geschrieben von Sabine Eckert, Sabine Eckert ist spezialisierte Fördermittelberaterin und ehemalige Firmenkundenbetreuerin einer großen deutschen Genossenschaftsbank mit 15 Jahren Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf KfW-Krediten, Mezzanine-Kapital und komplexen Finanzierungsstrukturen für den Mittelstand.