Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Ihre Police von 2018 ist kein Schutzschild, sondern eine Haftungsfalle.

  • Veraltete Klauseln decken neue Gesetze (z.B. LkSG) und Technologien nicht ab.
  • Nicht gemeldete Änderungen (z.B. USA-Export) führen zur Leistungsverweigerung im Schadensfall.

Empfehlung: Führen Sie vor dem nächsten Gespräch mit Ihrem Betreuer ein internes Risiko-Audit durch, um Ihre persönliche Haftung zu minimieren.

Als Geschäftsführer kennen Sie das: Einmal im Jahr landet der dicke Versicherungsordner auf Ihrem Schreibtisch, meist kurz vor dem Fälligkeitstermin. Die gängige Meinung ist oft: „Die Rechnung ist bezahlt, also bin ich versichert.“ Man prüft vielleicht kurz die Versicherungssumme, nickt das Ganze ab und widmet sich wieder dem Kerngeschäft. Das Thema Versicherungen wird gerne verdrängt – es ist komplex, unproduktiv und scheint nur Geld zu kosten. Doch genau diese Haltung ist es, die eine über fünf Jahre alte Police zu einer ernsten Gefahr für Ihr Unternehmen und für Sie persönlich macht.

Das Problem liegt nicht nur in dem, was fehlt. Die wirkliche Gefahr lauert in dem, was bereits in Ihrem Vertrag von 2018 steht. Die Welt hat sich seitdem dramatisch verändert – durch neue Gesetze, Technologien, globale Handelsbeziehungen und gestiegene Risiken. Ihr alter Vertrag ist kein passiver Schutzschild mehr, sondern ein aktives Minenfeld. Veraltete Klauseln und nicht gemeldete Veränderungen schaffen „stille Risiken“ und können unbemerkte Obliegenheitsverletzungen darstellen. Im Schadensfall kann der Versicherer die Leistung verweigern und Sie als Geschäftsführer stehen plötzlich in der persönlichen Haftung.

Doch was, wenn die wahre Aufgabe nicht ist, einfach nur eine neue, teurere Police abzuschliessen, sondern die bestehende systematisch zu auditieren und gezielt zu aktualisieren? Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden als Risiko-Auditor. Wir werden nicht über generische Ratschläge sprechen, sondern acht konkrete Schwachstellen analysieren, die in Ihrer Police von 2018 schlummern könnten. Betrachten Sie dies als Ihre Vorbereitung auf das nächste Jahresgespräch – ein Gespräch, das Sie diesmal nicht als Bittsteller, sondern als informierter Risikomanager führen werden.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die kritischsten Bereiche Ihrer veralteten Gewerbeversicherung. Jeder Abschnitt deckt eine potenzielle Schwachstelle auf und gibt Ihnen konkrete Anhaltspunkte für Ihr nächstes Gespräch mit dem Versicherer.

Inhaltsverzeichnis: Ihr Audit-Plan für veraltete Versicherungspolicen

Haben Sie der Versicherung gemeldet, dass Sie jetzt auch in die USA exportieren?

Eine der häufigsten und gefährlichsten „stillen Risiken“ entsteht durch unternehmerisches Wachstum. Angenommen, Ihr Unternehmen hat 2019 begonnen, Produkte in die USA oder nach Kanada zu exportieren. Ohne eine explizite Meldung und Anpassung Ihrer Betriebshaftpflichtpolice begehen Sie eine massive Obliegenheitsverletzung. Standardpolicen aus dem Jahr 2018 decken das extreme Haftungsrisiko des nordamerikanischen Marktes in der Regel nicht ab. Im Schadensfall stehen Sie ohne Schutz da.

Das Risiko geht sogar noch weiter. Wenn Sie Produkte aus Nicht-EU-Ländern importieren und in der EU vertreiben, kann dies eine sogenannte Quasi-Hersteller-Haftung auslösen. Sie haften dann so, als hätten Sie das Produkt selbst hergestellt. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Gesetzgebung. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ist ein gutes Beispiel: Seit 2023 in Kraft, erlegt es Unternehmen weitreichende Prüfpflichten für ihre globalen Lieferketten auf. Eine Studie zeigt, dass viele Unternehmen die Komplexität unterschätzen, wodurch das Gesetz ab 2024 für Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern gilt. Eine Police von 2018 kann die daraus resultierenden Haftungsrisiken, etwa bei Verstössen von Zulieferern, unmöglich abbilden.

Prüfen Sie daher zwingend den territorialen Geltungsbereich Ihrer Police und ob eine explizite Erweiterung für Exporte und die damit verbundenen ProduHaftpflichtansprüche notwendig ist.

Wie verhandeln Sie in Zeiten steigender Prämien, ohne gekündigt zu werden?

Die Zeiten, in denen man Versicherer einfach gegeneinander ausspielen konnte, sind vorbei. Die Versicherungsbranche hat mit gestiegenen Schäden und Inflation zu kämpfen, was zu einer Verhärtung des Marktes führt. Ein unvorbereiteter Versuch, die Prämie zu drücken, kann heute schnell mit einer Sanierungsforderung oder sogar der Kündigung des Vertrags enden. Laut dem Gewerbekunden-Check Assekuranz 2024 haben fast 98 % der deutschen Unternehmen eine Betriebshaftpflicht – doch die Qualität und Verhandlungsbasis sind entscheidend.

Geschäftsführer und Versicherungsberater in konzentrierter Verhandlung mit Dokumenten

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Verhandlung ist nicht der Preis, sondern ein dokumentiertes, aktives Risikomanagement. Wenn Sie dem Versicherer nachweisen können, dass Sie Risiken proaktiv minimieren (z. B. durch Brandschutzschulungen, IT-Sicherheitsmassnahmen), schaffen Sie eine Vertrauensbasis. Dies ermöglicht es Ihrem Makler, nicht nur über den Preis, sondern über das „Wording“ – also die genauen Formulierungen der Klauseln – zu verhandeln und so den Wert Ihres Vertrags zu steigern, ohne dass die Prämie explodiert.

Eine professionelle Vorbereitung ist das A und O. Die folgende Übersicht zeigt, wie Sie strategisch vorgehen können, wie eine Gegenüberstellung von Verhandlungsstrategien zeigt.

Verhandlungsstrategien im Überblick
Strategie Vorteil Risiko
Risikomanagement dokumentieren Stärkere Verhandlungsposition Zeitaufwand
Wording-Verhandlung Vertragswert steigern ohne Prämienexplosion Komplexität
Konkurrenzangebote einholen Sachliche Verhandlungsgrundlage Zeitintensiv

Anstatt also mit der Tür ins Haus zu fallen und nur einen Rabatt zu fordern, präsentieren Sie sich als attraktiver, weil gut gemanagter Risikopartner. Das ist der Weg, um in einem harten Markt nicht nur die Prämien stabil zu halten, sondern auch den Versicherungsschutz zu verbessern.

Warum zahlen Sie noch für Maschinen, die längst verschrottet sind?

Ein klassisches Symptom einer „eingeschlafenen“ Police ist die Überversicherung. Stellen Sie sich vor, in Ihrer Maschinenversicherung ist noch ein CNC-Zentrum im Wert von 250.000 € versichert, das Sie bereits 2020 verkauft und durch ein moderneres Modell ersetzt haben. Sie zahlen also seit Jahren Prämien für ein Risiko, das nicht mehr existiert. Das ist totes Kapital, das an anderer Stelle, etwa in der Cyber-Versicherung, dringend benötigt würde. Dieses Phänomen ist ein klares Zeichen dafür, dass die Versicherung als passive Kostenstelle und nicht als dynamisches Instrument des Risikomanagements behandelt wird.

Leeres Industrielager mit Schatten nicht mehr vorhandener Maschinen

Die regelmässige Aktualisierung des Anlagenverzeichnisses ist keine lästige Pflicht, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Veraltete Policen spiegeln oft einen Maschinenpark wider, der so nicht mehr existiert. Das Problem ist doppelt gefährlich: Sie zahlen zu viel für nicht mehr vorhandene Güter und sind gleichzeitig für neue, teurere Anlagen potenziell unterversichert. Ein Brand oder ein technischer Defekt an der neuen, nicht korrekt gemeldeten Maschine könnte zu einer massiven Deckungslücke führen, weil der Neuwert oder die Technologie nicht im Vertrag abgebildet ist.

Das jährliche Gespräch ist die perfekte Gelegenheit, die aktuelle Anlagen- und Warenbestandsliste mit der Versicherungspolice abzugleichen. Betrachten Sie es als Inventur für Ihre Risiken. Jeder Euro, der fälschlicherweise in die Absicherung von „Geistermaschinen“ fliesst, fehlt bei der Absicherung realer, neuer Bedrohungen.

Fordern Sie eine transparente Aufschlüsselung, welche Werte Ihrer Police zugrunde liegen, und bereinigen Sie diese konsequent. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr Geld für realen Schutz arbeitet.

Wann hat Ihr Betreuer zuletzt proaktiv eine Verbesserung vorgeschlagen?

Seien Sie ehrlich: Ist Ihr Versicherungsbetreuer ein reiner Verwalter, der sich einmal im Jahr zur Vertragsverlängerung meldet, oder ein strategischer Partner, der Sie unaufgefordert auf neue Risiken und Deckungsverbesserungen hinweist? In der Welt nach 2018 ist ein passiver Betreuer selbst ein Risiko. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, ob Sie mit einem gebundenen Versicherungsvertreter oder einem unabhängigen Versicherungsmakler zusammenarbeiten. Ein Makler ist rechtlich verpflichtet, in Ihrem besten Interesse zu handeln und kann am gesamten Markt nach der optimalen Lösung suchen, während ein Vertreter primär die Produkte seiner Gesellschaft verkauft.

Ein proaktiver Partner hätte Sie längst auf die Top-Geschäftsrisiken angesprochen. Laut dem Allianz Risk Barometer 2024 sind die grössten Sorgen für Unternehmen weltweit Cybervorfälle wie Ransomware-Angriffe und IT-Unterbrechungen. Eine weitere grosse Sorge, die in Deutschland auf Platz 3 rangiert, ist die Angst vor Änderungen von Gesetzen und Vorschriften. Ein guter Berater stellt Ihnen kritische Fragen und prüft, ob Ihre Police diesen neuen Realitäten standhält. Fragen Sie Ihren Betreuer doch einmal direkt:

  • Wie bewerten Sie unser Risiko bezüglich des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes und welche Deckung haben wir dafür?
  • Angesichts der Tatsache, dass Cyber-Vorfälle das Top-Risiko sind, welche konkreten Anpassungen empfehlen Sie für unsere bestehende Cyber-Police oder zur Implementierung einer solchen?
  • Welche neuen gesetzlichen Anforderungen seit 2018 (z.B. Datenschutz, ESG-Reporting) wurden in unserer Police berücksichtigt?

Die Antworten auf diese Fragen entlarven schnell, ob Ihr Betreuer Ihr Unternehmen wirklich versteht oder nur eine Police verwaltet. Die starke Abhängigkeit von Lieferketten und die zunehmende Digitalisierung erfordern ein viel höheres Mass an Business Continuity Management – ein Thema, das Ihr Berater von sich aus ansprechen sollte.

Wenn Ihr Betreuer auf diese Fragen keine substanziellen Antworten hat, ist es höchste Zeit, die Zusammenarbeit zu überdenken. Ein guter Partner agiert als Ihr externer Risikomanager, nicht als reiner Verkäufer.

Sind die Feuerlöscher wirklich geprüft, wie es in der Feuer-Police steht?

In jeder Feuerversicherungspolice finden sich Klauseln zu Obliegenheiten. Eine klassische Obliegenheit ist die regelmässige Prüfung und Wartung von Feuerlöschern. Klingt trivial, doch im Schadensfall prüft der Versicherer genau das. Können Sie die Wartungsprotokolle der letzten Jahre lückenlos vorweisen? Wenn nicht, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder sogar komplett verweigern – wegen einer Obliegenheitsverletzung. Dies ist eine der tückischsten Wording-Fallen in alten Verträgen, da die Anforderungen im Kleingedruckten oft überlesen werden.

Seit 2018 sind zahlreiche neue technische Risiken und damit verbundene Obliegenheiten hinzugekommen, die in Ihrer alten Police möglicherweise gar nicht erwähnt sind, aber dennoch gelten. Beispiele hierfür sind:

  • Photovoltaik-Anlagen: Viele Versicherer fordern mittlerweile eine Wartung nach spezifischen VdS-Richtlinien (z.B. VdS 3145).
  • E-Ladeinfrastruktur: Die Installation von Wallboxen oder Ladesäulen unterliegt neuen VDE-Normen. Eine nicht normgerechte Installation kann den Versicherungsschutz gefährden.
  • IT-Sicherheit: Eine Cyber-Police verlangt oft den Nachweis, dass Sicherheitspatches regelmässig eingespielt werden.

Diese neuen Technologien schaffen neue Brand- und Haftungsrisiken, die von einer alten Police nicht pauschal abgedeckt sind. Die zunehmende Häufigkeit von Extremwetterereignissen verschärft die Lage, wobei laut dem Allianz Risk Barometer versicherte Schäden von über 100 Mrd. US-Dollar durch Naturkatastrophen im vierten Jahr in Folge überschritten wurden, was die Versicherer zu strengeren Prüfungen zwingt.

Ihr 5-Punkte-Auditplan für veraltete Policen

  1. Risiko-Landkarte erstellen: Identifizieren Sie alle neuen Technologien, Prozesse und Geschäftsfelder, die seit 2018 hinzugekommen sind (z.B. E-Flotte, Cloud-Nutzung, neue Exportmärkte).
  2. Policen-Wording scannen: Suchen Sie gezielt nach Klauseln zu Obliegenheiten, Sicherheitsvorschriften und Meldefristen in Ihren Hauptverträgen (Betriebshaftpflicht, Feuer, Cyber).
  3. Soll-Ist-Abgleich durchführen: Vergleichen Sie die vertraglichen Anforderungen mit der gelebten Praxis in Ihrem Unternehmen. Werden alle Wartungen fristgerecht dokumentiert?
  4. Deckungslücken identifizieren: Markieren Sie alle Bereiche, in denen neue Risiken bestehen, die von den alten Klauseln nicht oder nur unzureichend abgedeckt sind.
  5. Massnahmenplan erstellen: Priorisieren Sie die Deckungslücken und bereiten Sie diese als konkrete Verhandlungsagenda für das Gespräch mit Ihrem Versicherungsmakler vor.

Nehmen Sie diese Obliegenheiten ernst. Ein proaktives Audit dieser Punkte schützt Sie im Schadensfall vor bösen Überraschungen und stärkt Ihre Position gegenüber dem Versicherer.

Wann ist der optimale Ersatzzeitpunkt für Ihren Fuhrpark erreicht?

Die Zusammensetzung Ihres Fuhrparks hat sich seit 2018 wahrscheinlich stark verändert. Der Trend geht klar zu Elektro- und Hybridfahrzeugen. Diese Veränderung hat massive Auswirkungen auf Ihr Risikoprofil und Ihre Versicherung. Eine Kfz-Flottenversicherung von 2018 ist für einen modernen, gemischten Fuhrpark völlig unzureichend. Die Risiken sind andere: Das Brandrisiko von Lithium-Ionen-Akkus ist höher und erfordert spezielle Löschmittel und Lagerkonzepte. Die Reparaturkosten nach einem Unfall sind oft deutlich höher, und die Gefahr von Cyberangriffen auf die Fahrzeugelektronik ist ein komplett neues Risiko.

Die Entscheidung, wann ein altes Dieselfahrzeug durch ein neues E-Fahrzeug ersetzt werden sollte, ist nicht nur eine Frage der Total Cost of Ownership (TCO), sondern auch des Risikomanagements. Ein veralteter Fuhrpark birgt neben hohen Wartungskosten auch das Risiko von Fahrverboten in Innenstädten, was zu Betriebsunterbrechungen führen kann. Ein moderner E-Fuhrpark hat zwar potenziell höhere Versicherungskosten für den Akku, bietet aber steuerliche Vorteile und ist zukunftssicher.

Ihre Versicherung muss diese Veränderung widerspiegeln. Eine Analyse der Gesamtkosten zeigt die Verschiebungen deutlich:

TCO-Vergleich Diesel vs. E-Fahrzeug (vereinfacht)
Kostenart Alter Diesel Neues E-Fahrzeug
Steuern Steigend Reduziert
Wartung Hoch Niedrig
Versicherung Standard Höher (Akku)
Fahrverbote Drohend Keine

Stellen Sie sicher, dass Ihre Flottenpolice explizit Deckungen für die spezifischen Risiken von E-Fahrzeugen enthält, wie z.B. Akkuschäden, Entsorgungskosten und Cyber-Risiken. Eine pauschale Police von 2018 lässt Sie hier im Regen stehen.

Wann müssen Sie starten, um zum Stichtag „compliant“ zu sein?

Compliance ist kein Projekt, das man auf den letzten Drücker erledigt. Nehmen wir erneut das Beispiel des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG). Die Fristen waren lange bekannt, dennoch fühlen sich laut Studien viele Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet. Die grössten Herausforderungen sind der zeitliche Aufwand, die mangelnde Datenqualität und das Erfassen von Lieferantendaten. Wer erst kurz vor dem Stichtag beginnt, eine Risikoanalyse durchzuführen und Prozesse zu implementieren, wird scheitern – und riskiert empfindliche Bussgelder und Reputationsschäden.

Dieses Prinzip gilt für alle grossen Compliance-Themen, die seit 2018 relevant geworden sind: die vollständige Umsetzung der DSGVO, die Vorbereitung auf ESG-Berichtspflichten oder die Implementierung von IT-Sicherheitsstandards nach BSI-Vorgaben. Diese Prozesse erfordern Zeit, Ressourcen und oft auch externe Expertise. Sie können nicht einfach als „erledigt“ abgehakt werden. Sie sind fortlaufende Aufgaben, die in Ihrem Risikomanagement und damit auch in Ihrem Versicherungsschutz abgebildet sein müssen.

Eine D&O-Versicherung (Managerhaftpflicht) oder eine Cyber-Police kann beispielsweise Klauseln enthalten, die eine angemessene Vorbereitung auf solche gesetzlichen Anforderungen voraussetzen. Wenn Sie grob fahrlässig zu spät mit der Umsetzung beginnen und daraus ein Schaden entsteht (z.B. ein hohes Bussgeld wegen eines LkSG-Verstosses), kann der Versicherer die Leistung verweigern. Ihre Police von 2018 kennt diese neuen Gesetze und die damit verbundenen Erwartungen an Ihre Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer noch gar nicht.

Der Startpunkt für die Umsetzung ist immer jetzt. Warten Sie nicht auf den Stichtag. Beginnen Sie heute mit der Analyse und Planung, um Ihr Unternehmen und sich selbst vor den Konsequenzen von Non-Compliance zu schützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alte Policen sind aktive Risiken: Eine Versicherung von 2018 ist durch veraltete Klauseln und ungemeldete Änderungen eine Haftungsfalle, keine passive Absicherung.
  • Stille Änderungen, laute Konsequenzen: Neue Technologien (E-Autos), Exportmärkte (USA) oder Gesetze (LkSG) schaffen unbemerkte Obliegenheitsverletzungen, die zur Leistungsverweigerung führen.
  • Proaktives Audit ist Pflicht: Als Geschäftsführer müssen Sie Ihre Policen vor dem Jahresgespräch systematisch prüfen, um Deckungslücken zu schliessen und Ihre persönliche Haftung zu minimieren.

Welche Gewerbeversicherungen sind existenziell und welche nur „nice to have“?

In einer Welt gestiegener Risiken und Prämien ist es entscheidend, das Versicherungsbudget strategisch zu allokieren. Nicht jede Versicherung ist gleich wichtig. Die Priorität muss auf der Absicherung von Risiken liegen, die die Existenz Ihres Unternehmens gefährden können. Ein Blick auf das Allianz Risk Barometer 2024 zeigt klar, wo die grössten Gefahren lauern: An der Spitze stehen Cyber-Vorfälle (von 36 % der deutschen Unternehmen als Top-Risiko genannt), gefolgt von Betriebsunterbrechung (31 %) und Naturkatastrophen (26 %).

Eine Police von 2018 hat diese Prioritäten mit Sicherheit falsch gewichtet. Damals war eine Cyber-Versicherung vielleicht noch „nice to have“, heute ist sie absolut existenziell. Eine Vertrauensschadenversicherung, die gegen Betrug durch eigene Mitarbeiter schützt, wurde oft vernachlässigt, ist aber in Zeiten von CEO-Fraud und interner Datenspionage unerlässlich geworden. Es geht darum, eine bewusste Entscheidung zu treffen: Worauf kann ich im Zweifel verzichten, um die wirklich kritischen Risiken mit ausreichenden Deckungssummen abzusichern?

Eine moderne Risikostrategie unterscheidet klar zwischen existenziellen und optionalen Deckungen:

  • Existenziell (Must-have):
    • Betriebshaftpflicht: Die absolute Basis, heute mit einer Versicherungssumme von mindestens 3, besser 5 Millionen Euro.
    • Cyber-Versicherung: Schützt vor den finanziellen Folgen von Hackerangriffen, Datenverlust und Betriebsstillstand. Aufgrund der BSI-Lageberichte unverzichtbar.
    • D&O-Versicherung: Die persönliche Haftpflichtversicherung für Sie als Geschäftsführer. Ein Fehler bei einer unternehmerischen Entscheidung kann ohne sie Ihre private Existenz ruinieren.
    • Inhalts-/Feuerversicherung: Sichert Ihr materielles Vermögen (Maschinen, Waren, Einrichtung) ab.
  • Bedingt existenziell (Should-have, je nach Branche):
    • Betriebsunterbrechungsversicherung: Ersetzt entgangene Gewinne und laufende Kosten nach einem Sachschaden (z.B. Brand).
    • Vertrauensschadenversicherung: Hat sich von ’nice to have‘ zu einem wichtigen Baustein entwickelt.

Nutzen Sie Ihr nächstes Jahresgespräch, um Ihr Portfolio gemeinsam mit einem unabhängigen Makler neu zu justieren. Verlagern Sie Ihr Budget von überflüssigen oder überversicherten Risiken hin zu einer robusten Absicherung der Bedrohungen, die Ihr Unternehmen im Kern gefährden.

Geschrieben von Klaus Vonberg, Dr. Klaus Vonberg ist ein erfahrener Interim-CFO und Strategieberater mit über 25 Jahren Erfahrung in der Sanierung und Skalierung deutscher mittelständischer Unternehmen (KMU). Er ist spezialisiert auf Liquiditätsmanagement, Unternehmensbewertung und Exit-Strategien.