
Für Selbstständige ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kein Kostenfaktor, sondern der wichtigste strategische Vermögenswert – noch vor der Altersvorsorge.
- Sie schützt Ihr Einkommen, den Motor für jeden Vermögensaufbau.
- Sie sichert Ihre private Existenz und die Handlungsfähigkeit Ihres Unternehmens.
Empfehlung: Betrachten Sie Ihre BU-Absicherung nicht als blosse Versicherung, sondern als das Fundament Ihrer gesamten Finanz- und Lebensplanung.
Als Unternehmer oder Selbstständiger denken Sie in Chancen, nicht in Problemen. Ihr Fokus liegt auf Wachstum, auf dem nächsten Auftrag, auf der Skalierung Ihres Geschäfts. Die Altersvorsorge, meist in Form eines Sparplans oder einer privaten Rentenversicherung, steht dabei oft im Vordergrund der Zukunftsplanung. Doch was, wenn der Motor Ihres Erfolgs – Ihre eigene Arbeitskraft – plötzlich ausfällt? Ein Unfall, eine schwere Krankheit oder ein Burn-out können Ihr Einkommen von heute auf morgen auf null setzen. Genau hier liegt ein weit verbreitetes Missverständnis, das Ihre gesamte Existenz gefährden kann.
Viele vergleichen die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit anderen Versicherungen und stufen sie als optionalen Kostenblock ein. Man konzentriert sich auf das Sparen für die Rente, in der Annahme, man hätte die Zeit und die Gesundheit, dieses Ziel zu erreichen. Doch diese Annahme ist eine Illusion der Sicherheit. Ohne ein abgesichertes Einkommen ist jeder Sparplan für die Rente nur ein leeres Versprechen. Die eigentliche Frage ist daher nicht, *ob* Sie eine BU benötigen, sondern wie Sie sie als das erkennen, was sie wirklich ist: das finanzielle Fundament, auf dem Ihr Unternehmen, Ihr Lebensstandard und Ihre Altersvorsorge überhaupt erst sicher aufgebaut werden können.
Dieser Artikel wird Ihnen nicht nur die Standard-Argumente liefern. Er wird Ihnen eine neue Perspektive aufzeigen: Wir betrachten die BU nicht als Kosten, sondern als strategischen Vermögenswert. Wir analysieren die kritischen Klauseln, die für Sie als Unternehmer entscheidend sind, zeigen, wie Sie die richtige Rentenhöhe ermitteln und was Sie tun können, wenn der Zugang erschwert ist. Es geht darum, Ihre wertvollste Ressource – Sie selbst – abzusichern, damit Sie die Freiheit haben, Ihre unternehmerischen und privaten Ziele sorgenfrei zu verfolgen.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, beleuchten wir die entscheidenden Aspekte der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige Schritt für Schritt. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Fragen, die Ihre existenzielle Absicherung betreffen.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur existenziellen Absicherung
- Wie kommen Sie trotz Rückenproblemen noch in eine bezahlbare BU-Police?
- Darf der Versicherer Sie als Ingenieur auf den Pförtnerjob verweisen?
- Reichen 1.000 € Rente, wenn Ihre privaten Fixkosten bei 3.000 € liegen?
- Steuervorteil oder Knebelvertrag: Sollten Sie die BU mit der Altersvorsorge koppeln?
- Was tun, wenn die BU zu teuer ist oder abgelehnt wurde?
- Was passiert mit Ihren Konten, wenn Sie morgen ins Koma fallen?
- Zinseszinseffekt nutzen: Manuell reinvestieren oder automatischer Wiederaufbau?
- Wie trennen Sie Firmen- und Privatvermögen, um Ihre Altersvorsorge insolvenzsicher zu machen?
Wie kommen Sie trotz Rückenproblemen noch in eine bezahlbare BU-Police?
Die grösste Hürde beim Abschluss einer BU-Versicherung sind die Gesundheitsfragen. Gerade Vorerkrankungen wie Rückenprobleme, Allergien oder psychische Belastungen führen oft zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder sogar zur kompletten Ablehnung. Als Selbstständiger, dessen Einkommen direkt von seiner Gesundheit abhängt, ist das eine katastrophale Situation. Doch eine Ablehnung ist kein endgültiges Urteil. Der Schlüssel liegt in der strategischen Vorbereitung und der Nutzung des richtigen Verfahrens: der anonymen Risikovoranfrage. Anstatt auf eigene Faust Anträge zu stellen, die im System der Versicherer vermerkt werden, lassen Sie einen spezialisierten Makler für sich arbeiten.
Dieser Weg schützt Sie vor negativen Einträgen und erhöht Ihre Chancen auf eine faire Bewertung massiv. Der Prozess beginnt mit einer sorgfältigen Aufbereitung Ihrer Gesundheitshistorie. Fordern Sie Ihre Krankenakte an und dokumentieren Sie Diagnosen und Behandlungen präzise. Ein guter Berater hilft Ihnen, diese Informationen so aufzubereiten, dass der Versicherer ein klares und positives Bild erhält. Manchmal kann ein aktuelles Attest, das eine Besserung oder Ausheilung bestätigt, den entscheidenden Unterschied machen. Denken Sie daran: Das Ziel ist es, dem Versicherer zu zeigen, dass Ihr vergangenes Leiden kein unkalkulierbares zukünftiges Risiko darstellt. Statistischen Erhebungen zufolge wird jeder vierte Deutsche im Laufe seines Lebens berufsunfähig – eine saubere Antragsstrategie ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Ihr Fahrplan zur bezahlbaren BU-Police: In 5 Schritten zum Ziel
- Krankenakte anfordern: Kontaktieren Sie Ihren Hausarzt und fordern Sie eine vollständige Kopie Ihrer Patientenakte der letzten fünf Jahre an, um alle Behandlungen lückenlos zu dokumentieren.
- Spezialisierten Makler finden: Suchen Sie einen auf BU-Versicherungen für Selbstständige spezialisierten Makler, der Erfahrung mit anonymen Risikovoranfragen hat.
- Gesundheitsfragen aufbereiten: Beantworten Sie den Gesundheitsfragebogen des Maklers absolut wahrheitsgemäss und vollständig. Fügen Sie erklärende Atteste bei, falls nötig.
- Anonymisierte Voranfrage: Der Makler reicht Ihre anonymisierten Unterlagen bei einer Vielzahl passender Versicherer ein, um deren Votum (Annahme, Zuschlag, Ausschluss) einzuholen.
- Angebote vergleichen und abschliessen: Vergleichen Sie die verbindlichen Angebote und wählen Sie die Police mit den besten Konditionen. Erst jetzt stellen Sie den finalen Antrag beim Wunschanbieter.
Mit der richtigen Vorbereitung und einem professionellen Partner an Ihrer Seite können selbst chronische Beschwerden zu einem bezahlbaren und umfassenden Schutz führen.
Darf der Versicherer Sie als Ingenieur auf den Pförtnerjob verweisen?
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein erfolgreicher Ingenieur, können aber aufgrund eines Bandscheibenvorfalls nicht mehr lange sitzen und am Schreibtisch arbeiten. Ihre BU-Versicherung verweigert die Zahlung mit der Begründung, Sie könnten ja noch als Pförtner arbeiten. Genau dieses Szenario beschreibt die gefürchtete abstrakte Verweisung. Sie erlaubt es dem Versicherer, die Leistung zu verweigern, wenn Sie theoretisch noch irgendeinen anderen Beruf ausüben könnten, der Ihrer bisherigen Lebensstellung, also Ihrem Einkommen und sozialen Ansehen, entspricht. Für Sie als Selbstständiger ist eine solche Klausel existenzbedrohend, da sie den Schutz Ihrer spezifischen Tätigkeit untergräbt.
Eine hochwertige BU-Police muss daher zwingend einen Verzicht auf die abstrakte Verweisung enthalten. Das bedeutet, der Versicherer darf Sie nicht auf einen theoretisch denkbaren Job verweisen. Er muss die Leistung zahlen, wenn Sie in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 % berufsunfähig sind. Achten Sie jedoch auf eine zweite, subtilere Klausel: die konkrete Verweisung. Diese erlaubt dem Versicherer, die Zahlung einzustellen, wenn Sie freiwillig und tatsächlich einen neuen Beruf ausüben, der Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Dies ist fair, solange die Kriterien klar definiert sind.

Für Selbstständige mit eigenem Betrieb gibt es zudem die Umorganisationsklausel. Kann der Betrieb so umgestaltet werden, dass Sie trotz Ihrer Einschränkungen weiterarbeiten können (z.B. durch Einstellung eines Mitarbeiters und Wechsel ins Büro), kann der Versicherer die Kosten für diese Umorganisation übernehmen, anstatt eine Rente zu zahlen. Dies kann eine sinnvolle Option sein, um Ihr Lebenswerk zu erhalten.
Fallbeispiel: Die Umorganisation beim selbstständigen Obstbauern
Ein selbstständiger Obstbauer mit mehreren Angestellten erlitt einen Unfall und konnte seinen Betrieb nicht mehr in der bisherigen Form führen. Anstatt einer monatlichen BU-Rente zahlte sein Versicherer eine einmalige Umorganisationshilfe in Höhe von sechs Monatsrenten. Mit diesem Kapital stellte der Unternehmer einen zusätzlichen Mitarbeiter für die Feldarbeit ein und verlagerte seine eigenen Tätigkeiten vollständig ins Management und die Büroorganisation. So konnte er seinen Betrieb erfolgreich weiterführen und sein Unternehmen erhalten.
Der Verzicht auf die abstrakte Verweisung ist somit keine Option, sondern die Grundvoraussetzung für einen wirksamen Schutz Ihrer unternehmerischen Existenz.
Reichen 1.000 € Rente, wenn Ihre privaten Fixkosten bei 3.000 € liegen?
Viele Selbstständige machen bei der Festlegung der BU-Rentenhöhe einen fatalen Fehler: Sie orientieren sich an der Mindestabsicherung oder wählen einen Betrag, der die monatlichen Beiträge niedrig hält. Eine Rente von 1.000 oder 1.500 Euro klingt zunächst nach einer Hilfe, wird aber schnell zur Falle. Sie müssen bedenken, dass von dieser Brutto-Rente noch Steuern und vor allem Ihre Beiträge zur privaten Krankenversicherung (PKV) abgehen. Als Selbstständiger ohne Arbeitgeberanteil kann allein der PKV-Beitrag schnell 600 bis 800 Euro betragen. Von 1.500 Euro brutto bleiben Ihnen dann netto vielleicht 700 Euro zum Leben – eine Summe, die Ihre Fixkosten kaum decken wird.
Der zweite, oft unterschätzte Feind ist die Inflation. Eine heute ausreichende Rente verliert über die Jahre massiv an Kaufkraft. Eine garantierte Leistungsdynamik (auch Beitragsdynamik genannt) im Vertrag ist daher unerlässlich. Sie sorgt dafür, dass Ihre Rente im Leistungsfall jährlich um einen festen Prozentsatz (z.B. 2 % oder 3 %) steigt und so den Wertverlust ausgleicht. Berechnungen zeigen, dass ohne diese Anpassung der Wert Ihrer Absicherung dramatisch sinkt. So wäre eine BU-Rente von 1.500 Euro nach 20 Jahren bei 2 % jährlicher Inflation nur noch rund 1.009 Euro wert.
Die korrekte Höhe Ihrer BU-Rente sollte mindestens 70-80 % Ihres aktuellen Nettoeinkommens abdecken. Analysieren Sie Ihre gesamten monatlichen Ausgaben: Miete, Finanzierungen, private Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und auch die Sparraten für Ihre Altersvorsorge. Die BU-Rente ist die Existenzbrücke, die all das im Ernstfall tragen muss.
Die folgende Tabelle veranschaulicht, wie stark sich die Abzüge auf Ihre tatsächliche Netto-Auszahlung auswirken können. Diese Zahlen basieren auf typischen Werten in Deutschland und sollen Ihnen als Orientierung dienen, wie eine Analyse von verschiedenen Szenarien für Gründer zeigt.
| Brutto BU-Rente | Abzüge (ca. Steuern + PKV) | Netto-Auszahlung (ca.) |
|---|---|---|
| 3.000 € | 1.000 € | 2.000 € |
| 2.000 € | 600 € | 1.400 € |
| 1.500 € | 400 € | 1.100 € |
Sparen Sie nicht an der Rentenhöhe. Eine zu niedrige Absicherung ist im Ernstfall kaum besser als gar keine.
Steuervorteil oder Knebelvertrag: Sollten Sie die BU mit der Altersvorsorge koppeln?
Versicherungsvermittler preisen oft die Kombination aus Berufsunfähigkeitsversicherung und Altersvorsorge (z.B. als Zusatzversicherung zu einer Rürup-Rente) als steuerlich clevere Lösung an. Die Beiträge können als Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden, was kurzfristig zu einer spürbaren Steuerersparnis führt. Doch diese Kopplung birgt für Selbstständige erhebliche Risiken und macht aus einer flexiblen Absicherung schnell einen unflexiblen Knebelvertrag. Das grösste Problem ist die mangelnde Flexibilität. Als Unternehmer unterliegt Ihr Einkommen Schwankungen. In einer wirtschaftlich schwierigen Phase könnten Sie gezwungen sein, Ihre Beiträge zu reduzieren oder auszusetzen.
Bei einem gekoppelten Vertrag ist das oft nicht ohne Weiteres möglich. Im schlimmsten Fall führt die Kündigung des Hauptvertrages (der Altersvorsorge) auch zum Verlust Ihres wichtigen BU-Schutzes. Sie stehen dann ohne Absicherung da und müssen versuchen, mit fortgeschrittenem Alter und eventuell neuen gesundheitlichen Problemen einen neuen Vertrag abzuschliessen – oft zu deutlich schlechteren Konditionen. Ein weiterer Nachteil ist die steuerliche Behandlung im Leistungsfall: Während Renten aus einer selbstständigen BU-Police nur mit dem geringen Ertragsanteil versteuert werden, unterliegt die Rente aus einem gekoppelten Rürup-Vertrag einer deutlich höheren nachgelagerten Besteuerung.
Eine gekoppelte BU-Zusatzversicherung (BUZ) kann bei Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens zur Kündigung des gesamten Vorsorgepakets führen, wodurch der existenzielle Schutz verloren geht.
– Versicherungsexperten, Ratgeber BU für Selbstständige
Die klare Empfehlung für die meisten Selbstständigen lautet daher: Trennen Sie die Absicherung Ihrer Arbeitskraft strikt von der Altersvorsorge. Schliessen Sie eine eigenständige, flexible BU-Police ab, die Sie an Ihre jeweilige Lebens- und Einkommenssituation anpassen können. Die Altersvorsorge bauen Sie parallel mit separaten, dafür optimierten Produkten auf. Die kurzfristige Steuerersparnis einer Kopplung wiegt die langfristigen Risiken und die mangelnde Flexibilität bei Weitem nicht auf. Flexibilität ist Ihr wertvollstes Gut als Unternehmer – bewahren Sie es auch bei Ihrer Absicherung.
Maximale Flexibilität und Transparenz sind wichtiger als ein kurzfristiger Steuervorteil. Setzen Sie auf getrennte Lösungen, um Ihre Existenz wirklich sicher zu schützen.
Was tun, wenn die BU zu teuer ist oder abgelehnt wurde?
Eine Ablehnung des BU-Antrags oder unbezahlbar hohe Beiträge aufgrund von Vorerkrankungen oder einem riskanten Beruf fühlen sich an wie ein K.o.-Schlag. Doch auch hier gilt: Geben Sie nicht auf. Der vollständige Verzicht auf eine Absicherung ist die schlechteste aller Optionen. Es gibt eine Hierarchie der Arbeitskraftabsicherung, und wenn die Königsklasse BU nicht erreichbar ist, gibt es immer noch sinnvolle Alternativen, die zumindest die grössten finanziellen Katastrophen abfedern können. Diese Produkte bieten zwar keinen so umfassenden Schutz wie eine BU, sind aber deutlich besser als nichts.
Die wichtigsten Alternativen sind:
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU): Sie leistet, wenn Sie gar nicht mehr arbeiten können – in der Regel weniger als drei Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf. Der Schutz ist also geringer als bei einer BU (die auf Ihren konkreten Beruf abstellt), aber die Beiträge sind deutlich niedriger.
- Grundfähigkeitsversicherung: Diese Versicherung zahlt eine Rente, wenn Sie definierte Grundfähigkeiten wie Sehen, Sprechen, Gehen oder den Gebrauch der Hände verlieren. Sie ist ideal für körperlich tätige Selbstständige, deren Beruf direkt von diesen Fähigkeiten abhängt.
- Dread-Disease-Versicherung (Schwere-Krankheiten-Vorsorge): Sie leistet eine einmalige Kapitalzahlung bei der Diagnose einer von über 50 schweren Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Kapital kann flexibel genutzt werden, um Behandlungen zu finanzieren oder Einkommensausfälle zu überbrücken.
Diese Alternativen können auch als temporäre Lösung dienen, bis sich Ihr Gesundheitszustand verbessert oder Sie in eine günstigere Berufsgruppe wechseln.
Die folgende Übersicht aus einer vergleichenden Analyse für Selbstständige hilft Ihnen, die Unterschiede und Eignungen der verschiedenen Absicherungsformen besser einzuschätzen.
| Versicherung | Leistungsfall | Kosten (im Vgl. zur BU) | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Erwerbsunfähigkeitsversicherung | Kann keine 3 Std. pro Tag irgendeinen Beruf ausüben | ca. 40-60 % | Selbstständige in Bürotätigkeiten mit geringerem Budget |
| Grundfähigkeitsversicherung | Verlust definierter körperlicher oder geistiger Fähigkeiten | ca. 50-70 % | Handwerker, Künstler, Chirurgen |
| Dread-Disease-Versicherung | Diagnose einer versicherten schweren Krankheit | ca. 30-50 % | Personen mit hohem Risiko für bestimmte Krankheiten |
Ein reduzierter Schutz ist immer besser als kein Schutz. Sichern Sie zumindest die grundlegenden Risiken ab, um im Ernstfall nicht vor dem Nichts zu stehen.
Was passiert mit Ihren Konten, wenn Sie morgen ins Koma fallen?
Die BU-Rente sichert Ihr privates Einkommen. Aber was passiert mit Ihrem Unternehmen, wenn Sie von einem Tag auf den anderen handlungsunfähig sind? Wer bezahlt die Gehälter Ihrer Mitarbeiter, die Lieferantenrechnungen, die Miete für Ihre Geschäftsräume? Ohne eine umfassende Notfallplanung droht Ihrem Unternehmen der schnelle Kollaps, selbst wenn Ihre private Versorgung durch die BU gesichert ist. Der häufigste Fehler ist die Annahme, der Ehepartner könne automatisch alle geschäftlichen Entscheidungen treffen. Das ist falsch. Ohne eine spezifische Vollmacht hat niemand Zugriff auf Ihre Geschäftskonten.
Das entscheidende Instrument ist eine notarielle Vorsorgevollmacht, ergänzt durch eine Bankvollmacht. In dieser Vollmacht legen Sie exakt fest, welche Person Ihres Vertrauens im Notfall für Sie handeln darf – sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich. Diese Person kann dann Rechnungen bezahlen, Verträge verwalten und den Betrieb am Laufen halten. Ohne eine solche Vollmacht würde das Betreuungsgericht einen fremden, gesetzlichen Betreuer einsetzen. Dieser handelt zwar in Ihrem Sinne, kennt aber weder Ihr Unternehmen noch Ihre unternehmerischen Ziele und ist oft überlastet, was zu fatalen Verzögerungen führen kann. Die Trennung von Privat- und Geschäftskonten ist dabei ebenfalls ein Muss, um die Handlungsfähigkeit klar zu regeln.
Fallbeispiel: Notfallplanung eines Gastronomen
Ein selbstständiger Gastronom erlitt einen schweren Unfall mit resultierender Nervenschädigung und fiel für mehrere Monate aus. Dank seiner BU-Police erhielt er eine monatliche Rente, die seine privaten Lebenshaltungskosten deckte. Noch wichtiger war jedoch seine vorausschauende Planung: Eine Jahre zuvor erteilte notarielle Vorsorgevollmacht an seinen Bruder ermöglichte es diesem, sofort die Kontrolle über die Geschäftskonten zu übernehmen. Er konnte Gehälter und Lieferanten pünktlich bezahlen und den Restaurantbetrieb aufrechterhalten, bis der Inhaber wieder genesen war. Ohne diese Vollmacht wäre das Unternehmen insolvent gewesen.
Ihre Arbeitskraftabsicherung ist erst dann vollständig, wenn nicht nur Ihr Einkommen, sondern auch die Handlungsfähigkeit Ihres Unternehmens im Ernstfall gewährleistet ist.
Zinseszinseffekt nutzen: Manuell reinvestieren oder automatischer Wiederaufbau?
Der Zinseszinseffekt ist das Fundament des langfristigen Vermögensaufbaus. Er beschreibt, wie Erträge reinvestiert werden und selbst wieder Erträge erwirtschaften, was zu exponentiellem Wachstum führt. Als Selbstständiger wenden Sie dieses Prinzip täglich an: Sie reinvestieren Gewinne in Ihr Unternehmen, um es wachsen zu lassen. Sie legen Geld in ETF-Sparpläne, um für das Alter vorzusorgen. Doch all diese Pläne haben eine einzige, fragile Voraussetzung: den kontinuierlichen Fluss von Kapital, der aus Ihrer Arbeitskraft gespeist wird. Fällt dieser Geldfluss durch Berufsunfähigkeit weg, stoppt nicht nur die Reinvestition – der gesamte Vermögensmotor stirbt ab.
Hier zeigt sich die wahre strategische Bedeutung der BU-Versicherung. Sie ist nicht nur eine passive Absicherung, sondern der aktive Garant dafür, dass Ihr persönlicher „Zinseszinseffekt“ weiterlaufen kann. Die BU-Rente ersetzt Ihr Einkommen und ermöglicht es Ihnen, weiterhin in Ihre Altersvorsorge zu investieren und Ihren Vermögensaufbau fortzusetzen. Sie wird zur Quelle der manuellen Reinvestition, wenn die ursprüngliche Quelle – Ihre Arbeitskraft – versiegt ist. Darüber hinaus ist eine hochwertige BU-Police weit mehr als nur eine Rente. Sie ist ein strategischer Vermögenswert für Ihr Unternehmen.
Eine hochwertige BU-Police verbessert die Bonität Ihres Unternehmens bei deutschen Banken, da das personelle Risiko des Schlüsselpersonals – also Sie selbst – minimiert wird.
– Finanzexperten, Unternehmensfinanzierung für Selbstständige
Wenn Sie einen Kredit für eine Expansion benötigen, signalisiert eine starke BU-Absicherung der Bank Stabilität. Sie beweist, dass der Betrieb auch dann weiterlaufen kann, wenn Ihnen etwas zustösst. Sie können die Police als Kreditsicherheit hinterlegen oder sie in Due-Diligence-Prüfungen bei einem geplanten Unternehmensverkauf als wertsteigernden Faktor anführen. So wird die BU vom reinen Schutzschild zum strategischen Werkzeug, das aktiv zum Wachstum Ihres Vermögens beiträgt.
Indem Sie Ihre Arbeitskraft absichern, sichern Sie nicht nur Ihr Einkommen, sondern auch die Fähigkeit, langfristig Vermögen aufzubauen und den Zinseszinseffekt für sich arbeiten zu lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Fundament vor Aufbau: Die Absicherung Ihrer Arbeitskraft durch eine BU ist die Grundvoraussetzung für jeden erfolgreichen Vermögens- und Altersvorsorgeplan.
- Qualität entscheidet: Achten Sie auf entscheidende Klauseln wie den Verzicht auf abstrakte Verweisung und eine ausreichende, dynamische Rentenhöhe, um im Ernstfall wirklich geschützt zu sein.
- Flexibilität ist Trumpf: Trennen Sie Ihre BU-Versicherung strikt von der Altersvorsorge, um auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren zu können, ohne Ihren existenziellen Schutz zu gefährden.
Wie trennen Sie Firmen- und Privatvermögen, um Ihre Altersvorsorge insolvenzsicher zu machen?
Als Selbstständiger tragen Sie nicht nur Verantwortung, sondern auch ein hohes persönliches Risiko. Insbesondere die Wahl der Rechtsform hat massive Auswirkungen auf Ihre private Haftung. Während bei einer GmbH die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist, haften Einzelunternehmer und GbR-Gesellschafter zu 100 % mit ihrem Privatvermögen. Eine Geschäftsinsolvenz kann somit Ihr gesamtes privates Erspartes, Ihr Haus und Ihre für die Rente gedachten Anlagen vernichten. Die sauberste Trennung zwischen Firmen- und Privatvermögen ist daher der erste und wichtigste Schritt zum Schutz Ihrer Altersvorsorge.
Doch selbst mit einer GmbH sind Sie nicht vollständig geschützt. Geschäftsführer können persönlich haftbar gemacht werden, etwa bei nicht abgeführten Sozialversicherungsbeiträgen. Es braucht also eine zweite Schutzmauer: insolvenzsichere Vorsorgeprodukte. Hier spielt die Rürup-Rente (oder Basisrente) eine entscheidende Rolle. Kapital, das in einen zertifizierten Rürup-Vertrag eingezahlt wird, ist in der Ansparphase vor Pfändung durch Gläubiger und dem Zugriff des Insolvenzverwalters geschützt. Es gilt als zweckgebundenes Altersvorsorgevermögen und bleibt Ihnen auch im Falle einer Unternehmenspleite erhalten.
Fallbeispiel: Insolvenzschutz durch die Rürup-Rente
Ein selbstständiger Unternehmensberater zahlte über Jahre konsequent in einen Rürup-Rentenvertrag ein. Als sein Unternehmen aufgrund einer unvorhergesehenen Marktkrise Insolvenz anmelden musste, war sein privat angespartes Altersvorsorgevermögen von über 200.000 Euro in diesem Vertrag vollständig geschützt. Der Insolvenzverwalter hatte keinen Zugriff darauf. Dieses Kapital bildete die Grundlage für seinen finanziellen Neustart und sicherte seine Rente, während sein übriges Privatvermögen zur Deckung der Schulden herangezogen wurde.
Die Kombination ist also entscheidend: Eine BU sichert Ihr laufendes Einkommen und verhindert, dass Sie bei Krankheit Ihre Ersparnisse aufbrauchen müssen. Eine kluge Rechtsform und insolvenzsichere Sparprodukte wie die Rürup-Rente schützen Ihr bereits aufgebautes Vermögen vor den unternehmerischen Risiken. Nur so schaffen Sie ein wasserdichtes System, das Ihre private Existenz und Ihre Altersvorsorge von den Unwägbarkeiten Ihres Geschäftslebens entkoppelt.
Ihre unternehmerische Freiheit basiert auf einem Fundament privater Sicherheit. Ergreifen Sie jetzt die notwendigen Schritte, um dieses Fundament zu giessen und Ihre finanzielle Zukunft auf Fels statt auf Sand zu bauen.
Häufig gestellte Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige
Was passiert ohne Vorsorgevollmacht?
Ohne eine gültige Vorsorgevollmacht bestellt das Betreuungsgericht im Notfall einen fremden, gesetzlichen Betreuer. Diese Person entscheidet dann über Ihr privates Vermögen und Ihr Unternehmen, ohne Ihre spezifischen Wünsche oder unternehmerischen Ziele zu kennen.
Sollten Geschäfts- und Privatkonten getrennt sein?
Ja, unbedingt. Eine strikte Trennung ist für die saubere Buchführung und Haftungsbegrenzung essenziell. Eine reine Kontovollmacht für den Ehepartner auf dem Privatkonto gibt diesem keinen Zugriff auf Geschäftskonten und kann die Firma im Notfall lahmlegen.
Wie schnell zahlt die BU im Notfall?
Die Leistungsprüfung durch den Versicherer kann nach Einreichung aller Unterlagen zwischen 6 und 12 Monaten dauern. Aus diesem Grund ist eine private Krankentagegeldversicherung als finanzielle Überbrückung für die ersten Monate absolut unverzichtbar für Selbstständige.