
Entgegen der verbreiteten Annahme ist die neue Welle an EU-Regulierungen kein reiner Kostentreiber, sondern ein mächtiges strategisches Instrument zur Marktformung.
- Die Kosten der Nicht-Konformität übersteigen reine Bussgelder bei Weitem und umfassen den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen und den Verlust von Investoren.
- Hohe Compliance-Standards können gezielt als Markteintrittsbarriere eingesetzt werden, um qualitativ unterlegene Wettbewerber zu verdrängen.
Empfehlung: Betrachten Sie Compliance-Budgets nicht als Verwaltungskosten, sondern als strategische Investition in die zukünftige Marktpositionierung und Unternehmensbewertung.
Für viele Strategiechefs in deutschen Unternehmen erscheinen die neuen EU-Regulierungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zunächst wie eine weitere Welle bürokratischer Belastungen. Die Diskussion dreht sich oft um die unmittelbaren Kosten der Implementierung, den Aufwand für das Reporting und die drohenden Strafen. Man konzentriert sich darauf, wie man die Anforderungen mit minimalem Aufwand erfüllen kann, um das operative Geschäft nicht zu gefährden.
Dieser defensive Ansatz, der sich auf die Verwaltung des Problems konzentriert, übersieht jedoch eine fundamentale strategische Chance. Die üblichen Reaktionen – das Aufstellen von Budgets für IT-Anpassungen, die Durchführung von Lieferantenaudits und das Sammeln von Daten – sind zwar notwendige taktische Schritte, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie behandeln die Regulierung als eine Pflichtübung, die es abzuhaken gilt, anstatt sie als das zu sehen, was sie wirklich ist: eine tektonische Verschiebung der Marktregeln.
Doch was wäre, wenn der wahre Schlüssel nicht darin liegt, die Regulierung zu *erfüllen*, sondern sie zu *nutzen*? Was, wenn diese neuen, strengen Standards nicht nur eine Last, sondern der wirksamste Hebel sind, den Sie seit Jahren in der Hand hatten? Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sichtweise und zeigt Ihnen, wie Sie die neuen regulatorischen Anforderungen von einer passiven Belastung in eine aktive Waffe für Ihr strategisches Arsenal verwandeln können. Wir analysieren, wie Sie damit nicht nur konform werden, sondern gezielt Marktanteile gewinnen, Ihre Unternehmensbewertung steigern und sich einen uneinholbaren Vorsprung sichern.
Der folgende Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen, die über die reine Pflichterfüllung hinausgehen und Ihr Geschäftsmodell für die nächste Dekade rüsten.
Inhaltsverzeichnis: Strategische Weichenstellungen unter neuer EU-Regulierung
- Ist es billiger, die Strafe zu zahlen oder die Compliance umzusetzen?
- Wie nutzen Sie strenge Standards, um billige Konkurrenz aus dem Markt zu drängen?
- Wie budgetieren Sie unbekannte IT-Anpassungskosten für neue Gesetze?
- Verkaufen Investoren Ihre Anteile, wenn Sie ESG-Kriterien ignorieren?
- Wann müssen Sie starten, um zum Stichtag „compliant“ zu sein?
- ERP-Digitalisierungsdarlehen oder Innovationskredit: Was finanziert Ihre neue Software?
- CSRD-Pflicht: Ab wann müssen Sie über mehr als nur Finanzen berichten?
- Wie skalieren Sie Ihren Umsatz jährlich um 15 % ohne die Gewinnmarge zu opfern?
Ist es billiger, die Strafe zu zahlen oder die Compliance umzusetzen?
Die Frage, ob die Zahlung einer Strafe günstiger ist als die Umsetzung von Compliance-Massnahmen, ist eine gefährliche Vereinfachung. Sie reduziert eine komplexe strategische Entscheidung auf eine simple betriebswirtschaftliche Rechnung und ignoriert dabei die wahren Kosten der Untätigkeit. Diese gehen weit über die direkten Bussgelder hinaus. Während Verstösse gegen das LkSG mit empfindlichen Strafen geahndet werden können – laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner können Unternehmen mit Strafen von über 400 Millionen Euro oder bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes rechnen –, sind die indirekten Folgen oft noch gravierender.
Der eigentliche Schaden entsteht durch den Verlust von Geschäftsmöglichkeiten und Reputation. Ein entscheidender, oft übersehener Faktor ist der Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen. Wie eine Analyse von Deloitte verdeutlicht, können Unternehmen bei schwerwiegenden Verstössen bis zu drei Jahre von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden. Für viele deutsche Mittelständler, deren Geschäftsmodell stark auf dem öffentlichen Sektor oder auf der Zulieferung für Konzerne basiert, die ihrerseits öffentliche Aufträge anstreben, ist dies gleichbedeutend mit einem Marktaustritt.
Die strategische Kalkulation muss also lauten: Was kostet uns nicht die Compliance, sondern der Verlust unseres wichtigsten Kunden oder eines ganzen Marktsegments? Hinzu kommen der Reputationsschaden, die Abwanderung von Talenten, die sich nicht mit unethischen Praktiken identifizieren wollen, und die Reaktion der Kapitalmärkte. Die Frage ist daher nicht, ob Compliance „billiger“ ist, sondern ob Ihr Geschäftsmodell die strategischen Konsequenzen der Nicht-Konformität überleben kann.
Wie nutzen Sie strenge Standards, um billige Konkurrenz aus dem Markt zu drängen?
Die neuen EU-Regulierungen sollten nicht als Fessel, sondern als strategischer Schutzwall für Qualitätsanbieter verstanden werden. Für Unternehmen, die bereits hohe Standards in Produktion, Ethik und Lieferkettenmanagement pflegen, schaffen diese Vorschriften eine Compliance als Markteintrittsbarriere. Sie heben die „Lizenz zum Wirtschaften“ auf ein Niveau an, das Billigkonkurrenten aus dem In- und Ausland oft nicht ohne Weiteres erreichen können. Diese Wettbewerber, deren Geschäftsmodell auf niedrigen Kosten durch laxe Umwelt- und Sozialstandards basiert, stehen plötzlich vor einer unüberwindbaren Hürde.
Ihr strategischer Hebel liegt darin, die Einhaltung dieser Standards nicht nur zu dokumentieren, sondern sie aktiv als Qualitätsmerkmal zu vermarkten. Während die Konkurrenz mit der Implementierung grundlegender Prozesse kämpft, positionieren Sie sich als der verlässliche, transparente und zukunftsfähige Partner. Dies schafft einen asymmetrischen Vorteil: Sie wandeln eine regulatorische Pflicht in einen handfesten Wettbewerbsvorteil um. Kunden, insbesondere grosse Konzerne, die ihrerseits zur Transparenz in der Lieferkette verpflichtet sind, werden systematisch Partner bevorzugen, die ihnen die Compliance erleichtern.
Die deutsche Industrie, die traditionell für Qualität und Ingenieurskunst steht, kann hier ihre Stärken voll ausspielen. Die Investition in nachhaltige Technologien und transparente Prozesse wird so zu einer Investition in die Verdrängung unrentabler und nicht nachhaltiger Wettbewerber. Die Regulierung wird zum Katalysator einer Marktkonsolidierung zugunsten der Qualitätsführer.

Wie dieses Bild symbolisiert, geht es darum, den Kontrast zwischen hochwertiger, konformer Produktion und der Massenware der Konkurrenz klar herauszustellen. Die Regulierung gibt Ihnen die Legitimation und die Werkzeuge, diesen Qualitätsunterschied für jeden Kunden und Investor sichtbar und messbar zu machen.
Wie budgetieren Sie unbekannte IT-Anpassungskosten für neue Gesetze?
Die Budgetierung von IT-Kosten für neue Regulierungen ist eine Herausforderung, da der genaue Umfang oft erst im Laufe des Projekts klar wird. Der strategische Fehler wäre jedoch, dies als reinen Kostenblock zu betrachten. Vielmehr handelt es sich um eine notwendige Investition in die Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Anstatt also nur Gelder für die „Erfüllung“ der Pflicht bereitzustellen, sollten Sie dies als Anlass für eine grundlegende Modernisierung Ihrer Systemlandschaft nutzen und die dafür vorgesehenen staatlichen Förderinstrumente systematisch ausschöpfen.
Deutschland bietet hierfür exzellente Möglichkeiten, die oft übersehen werden. Programme wie der „ERP-Förderkredit Digitalisierung“ der KfW sind explizit darauf ausgelegt, solche Transformationsprojekte zu unterstützen. Je nach Innovationsgrad des Projekts können Unternehmen nicht nur von günstigen Kreditkonditionen profitieren, sondern auch von direkten Zuschüssen. So bietet beispielsweise der ERP-Förderkredit Digitalisierung je nach Stufe 3% bis 5% Förderzuschuss des ausgezahlten Kreditbetrags. Dies reduziert die finanzielle Belastung erheblich und schafft Anreize, nicht nur das Nötigste umzusetzen, sondern strategisch weiterzudenken.
Ein modularer Projektansatz, wie ihn beispielsweise KPMG empfiehlt, kann helfen, die Kosten zu strukturieren. Statt eines monolithischen „Big-Bang“-Projekts werden einzelne, überschaubare Module definiert – von der Datenextraktion über die Analyse bis zum Reporting. Dies ermöglicht eine flexible Budgetierung und die Priorisierung der kritischsten Elemente. Zudem kann jedes Modul separat auf Fördermöglichkeiten geprüft werden, was die finanzielle Planbarkeit erhöht. Es geht darum, die „unbekannten Kosten“ in eine Serie bekannter, finanzierbarer und potenziell geförderter Investitionsschritte zu überführen.
Ihr Plan zur Nutzung deutscher Förderprogramme: Eine Checkliste
- Förderbedarf ermitteln: Listen Sie alle geplanten Digitalisierungs- und Compliance-Massnahmen auf (z. B. Software für Lieferketten-Tracking, CO2-Bilanzierungstools).
- Fördermöglichkeiten inventarisieren: Prüfen Sie bundesweite KfW-Programme (Basisförderung, LevelUp, High-End) und vergleichen Sie diese mit länderspezifischen Angeboten wie dem „Digitalbonus Bayern“ oder „NRW.BANK.Digitalisierung“.
- Anforderungen abgleichen: Führen Sie den für viele Basisförderungen verpflichtenden Digitalisierungscheck durch, um Ihren aktuellen Reifegrad zu bestimmen und die Passgenauigkeit der Programme sicherzustellen.
- Antragspakete schnüren: Strukturieren Sie Ihr Vorhaben in logische Module, die den Kriterien der Förderprogramme entsprechen (z.B. ein Modul für KI-Integration, eines für Basisinfrastruktur).
- Zeitplan erstellen: Planen Sie die Antrags- und Bewilligungsphasen als festen Bestandteil Ihrer Projekt-Roadmap ein, um Finanzierungslücken zu vermeiden.
Verkaufen Investoren Ihre Anteile, wenn Sie ESG-Kriterien ignorieren?
Die kurze Antwort lautet: zunehmend ja. Die Vorstellung, dass ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) eine „weiche“ Kennzahl sind, ist überholt. Für institutionelle Investoren ist die ESG-Performance heute ein harter Indikator für Risikomanagement und zukunftsfähige Unternehmensführung. Das Ignorieren dieser Kriterien wird nicht mehr als Kavaliersdelikt, sondern als strategischer Fehler gewertet, der direkt die Unternehmensbewertung und das Kapitalrisiko beeinflusst. Die Frage ist nicht mehr *ob*, sondern *wie schnell* sich eine mangelnde ESG-Strategie im Aktienkurs niederschlägt.
Die Kapitalströme sprechen eine deutliche Sprache. Eine Umfrage von Morningstar zeigt, dass Investoren ihr Portfolio aktiv umschichten: Knapp die Hälfte der institutionellen Investoren in Europa reallokieren Teile ihres US-Investments aufgrund von ESG-Überlegungen. Dies ist keine Nischenbewegung mehr, sondern eine massive Kapitalallokation, die Gewinner und Verlierer schafft. Unternehmen mit schlechtem ESG-Rating laufen Gefahr, aus den Portfolios grosser Fonds zu fallen, was unweigerlich zu Verkaufsdruck und einem niedrigeren Bewertungs-Multiplikator führt.
Investoren nutzen zudem ihre Macht als Aktionäre immer aktiver, um Veränderungen zu erzwingen. Dieses als „Impact Investing“ bekannte Vorgehen ist ein direktes Instrument zur Einflussnahme, wie eine Analyse der HypoVereinsbank betont:
Investor:innen nutzen als Aktionär:innen auf der Hauptversammlung ihr Stimmverhalten, um einen Wandel einzufordern (‚impact investing‘) – diese direkten Einflussmittel werden in jüngster Zeit immer stärker genutzt.
– HypoVereinsbank ESG-Analyse, ESG-Kriterien im Überblick 2024
Für einen Strategiechef bedeutet dies: Eine starke ESG-Performance ist keine Frage der Philanthropie, sondern der Kapitalbeschaffung und des Shareholder Value. Sie ist ein Bewertungs-Multiplikator. Wer die neuen regulatorischen Anforderungen als Chance begreift, eine erstklassige ESG-Story zu erzählen, sichert sich nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Kapital der anspruchsvollsten Investoren.
Wann müssen Sie starten, um zum Stichtag „compliant“ zu sein?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht ein Datum, sondern ein strategischer Prozess. Der häufigste Fehler ist, den Startzeitpunkt anhand des finalen Stichtags rückwärts zu planen. Erfolgreiche Unternehmen praktizieren strategische Voraussicht und beginnen nicht dann, wenn sie müssen, sondern so früh wie möglich, um den Prozess zu kontrollieren und Lernkurven zu nutzen. Der Stichtag ist lediglich der letzte Meilenstein einer langen Reise, die idealerweise 18 bis 24 Monate vorher beginnt.
Die Komplexität der CSRD- und LkSG-Anforderungen, insbesondere die Datenerfassung entlang globaler Lieferketten, lässt sich nicht in wenigen Monaten bewältigen. Es erfordert die Etablierung neuer Prozesse, die Implementierung von IT-Systemen und vor allem die Schulung und Sensibilisierung von Mitarbeitern und Lieferanten. Ein kritischer Schritt ist die Etablierung eines interdisziplinären Projektteams, das Verantwortlichkeiten klar regelt, beispielsweise mittels einer RACI-Matrix. Ein erster Testlauf der Datenerfassung sollte mindestens 12 Monate vor der Berichtspflicht erfolgen, um Schwachstellen und Lücken frühzeitig zu identifizieren.
Zudem ist das regulatorische Umfeld dynamisch. So hat die EU-Kommission eine mögliche Verschiebung des Inkrafttretens der CSRD für einige Unternehmensgruppen um zwei Jahre signalisiert. Wer dies als Einladung zum Abwarten missversteht, tappt in eine Falle. Strategisch agierende Unternehmen nutzen diese gewonnene Zeit, um ihre Prozesse nicht nur konform, sondern exzellent zu gestalten und sich so einen weiteren Vorsprung zu erarbeiten. Der Startschuss ist bereits gefallen – die Frage ist nur, ob Sie im vorderen Feld mitlaufen oder hinterherhecheln.
Ihre CSRD-Roadmap: Plan zur fristgerechten Umsetzung
- Betroffenheit prüfen (24 Monate vorher): Klären Sie verbindlich anhand der Schwellenwerte (Mitarbeiterzahl, Umsatz, Bilanzsumme), ab welchem Geschäftsjahr (2024, 2025, oder später) Ihr Unternehmen berichtspflichtig ist.
- Projektteam aufsetzen (22 Monate vorher): Etablieren Sie ein interdisziplinäres Team (z.B. aus Einkauf, Finanzen, Recht, IT) und definieren Sie mit einer RACI-Matrix klare Verantwortlichkeiten für die Datenerhebung und Berichterstattung.
- Wesentlichkeitsanalyse & Daten-Audit (18 Monate vorher): Führen Sie die doppelte Wesentlichkeitsanalyse durch und starten Sie einen Testlauf zur Datenerfassung entlang der Lieferkette, um Lücken und Qualitätsprobleme frühzeitig zu erkennen.
- Systemimplementierung & Lieferantenaudit (12 Monate vorher): Wählen und implementieren Sie die nötigen IT-Tools. Beginnen Sie mit der systematischen Überprüfung und Qualifizierung Ihrer wichtigsten Lieferanten.
- Pre-Audit & Berichtsentwurf (6 Monate vorher): Führen Sie ein internes oder externes Pre-Audit durch, um die Belastbarkeit Ihrer Daten und Prozesse zu testen, und erstellen Sie einen ersten Entwurf des Nachhaltigkeitsberichts.
ERP-Digitalisierungsdarlehen oder Innovationskredit: Was finanziert Ihre neue Software?
Die Finanzierung der für die Compliance notwendigen Software ist eine zentrale strategische Entscheidung. Es geht nicht darum, irgendeine Lösung zu finden, sondern diejenige, die die technologische Transformation am besten unterstützt und gleichzeitig die Liquidität schont. Deutsche Unternehmen haben hier den Vorteil, auf ein ausdifferenziertes System staatlicher Förderkredite zurückgreifen zu können, insbesondere durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Wahl des richtigen Programms hängt vom Reifegrad und der Ambition Ihres Digitalisierungsprojekts ab.
Es ist entscheidend zu verstehen, dass diese Förderungen nicht nur für grosse Konzerne zugänglich sind. Programme wie die von der KfW richten sich explizit an Freiberufler, Einzelunternehmen sowie den Mittelstand. Die Abschaffung von Mindestkreditbeträgen hat die Hürde für kleinere Betriebe weiter gesenkt, in strategisch wichtige Digitalisierungsprojekte zu investieren. Darüber hinaus können diese Bundesprogramme oft mit länderspezifischen Förderungen kombiniert werden, was die Attraktivität weiter erhöht.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die relevanten KfW-Programme und hilft bei der Einordnung, welche Finanzierung für welches Vorhaben am besten geeignet ist. Die Entscheidung zwischen einem allgemeinen Digitalisierungsdarlehen und einem spezialisierten Innovationskredit hängt davon ab, ob Sie lediglich bestehende Prozesse digital abbilden oder ob Sie Technologien wie KI zur proaktiven Risikosteuerung in Ihrer Lieferkette nutzen wollen.
| Programm | Fokus | Kredithöhe | Zuschuss |
|---|---|---|---|
| Basisförderung | Grundlegende IT-Infrastruktur | bis 7,5 Mio. EUR | – |
| LevelUp-Förderung | Digitalisierungsstrategie | bis 25 Mio. EUR | 3% des Kreditbetrags |
| HighEnd-Förderung | KI-Integration, Big Data | bis 25 Mio. EUR | 5% des Kreditbetrags |
Die strategische Nutzung dieser Programme wandelt eine notwendige Ausgabe in eine subventionierte Investition in die technologische Überlegenheit um. Eine sorgfältige Prüfung, wie sie eine detaillierte Analyse der KfW-Angebote ermöglicht, ist daher für jeden Strategie- und Finanzchef unerlässlich.
CSRD-Pflicht: Ab wann müssen Sie über mehr als nur Finanzen berichten?
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) markiert einen Paradigmenwechsel in der Unternehmensberichterstattung. Sie hebt die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf dasselbe Niveau wie die Finanzberichterstattung und macht sie zu einem integralen, prüfungspflichtigen Teil des Lageberichts. Der Kreis der betroffenen Unternehmen wird massiv erweitert: EU-weit steigt die Zahl von rund 11.600 auf etwa 49.000, davon allein ca. 15.000 in Deutschland. Konkret betroffen ist jedes Unternehmen, das zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt: mehr als 250 Mitarbeiter, über 50 Millionen Euro Umsatz oder mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme.
Für die Unternehmensstrategie ist jedoch nicht nur der erweiterte Kreis relevant, sondern vor allem das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Dieses Konzept ist das Herzstück der CSRD und verlangt eine zweiseitige Betrachtung: Unternehmen müssen nicht mehr nur darüber berichten, wie sich Nachhaltigkeitsthemen (z.B. Klimawandel) auf ihr Geschäft auswirken (die „Outside-In“-Perspektive). Sie müssen ebenso transparent machen, welche Auswirkungen ihr eigenes Geschäftsmodell auf Mensch und Umwelt hat (die „Inside-Out“-Perspektive). Dies erfordert eine tiefgreifende Analyse der gesamten Wertschöpfungskette und macht oberflächliche Nachhaltigkeitsberichte unmöglich.
Eine weitere strategisch wichtige Frage ist das Zusammenspiel von CSRD und dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Hier gilt: Die CSRD hat grundsätzlich Vorrang. Wenn ein Unternehmen die Anforderungen der CSRD an die Nachhaltigkeitsberichterstattung erfüllt, entfällt die separate Berichtspflicht nach dem LkSG. Dies verhindert eine Doppelberichterstattung. Allerdings bleiben die strengeren materiellen Sorgfaltspflichten des LkSG, wie die Einrichtung eines Beschwerdeverfahrens, weiterhin bestehen und müssen erfüllt werden. Die Regelwerke ergänzen sich also: Die CSRD liefert den Berichtsrahmen, das LkSG die konkreten Handlungsanweisungen für die Lieferkette.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahren Kosten der Nicht-Konformität liegen nicht in Bussgeldern, sondern im Ausschluss von Märkten und im Verlust von Investorenvertrauen.
- Strenge EU-Standards sind kein Nachteil, sondern ein strategischer Hebel, um sich von Billiganbietern abzusetzen und eine Premium-Marktposition zu festigen.
- Intelligente Finanzierung durch staatliche Förderprogramme (z.B. KfW) wandelt Compliance-Kosten in subventionierte Investitionen in die Digitalisierung um.
Wie skalieren Sie Ihren Umsatz jährlich um 15 % ohne die Gewinnmarge zu opfern?
Die Antwort auf diese Kernfrage der Unternehmensstrategie liegt in der konsequenten Anwendung der zuvor diskutierten Prinzipien. Ein jährliches Umsatzwachstum von 15 % bei stabiler oder sogar steigender Marge ist in gesättigten Märkten nur durch eine strategische Neupositionierung möglich. Die neuen EU-Regulierungen liefern dafür den perfekten Rahmen. Anstatt Compliance als Kostenfaktor zu sehen, der die Marge drückt, wird sie zum Motor für profitables Wachstum.
Dies geschieht über drei zentrale Hebel: Erstens durch die Erschliessung von „grünen“ Märkten und Kundensegmenten, die bereit sind, für nachweislich nachhaltige und ethisch einwandfreie Produkte einen Aufpreis zu zahlen. Zweitens durch die Steigerung der Prozesseffizienz. Eine Studie zu ESG im Mittelstand zeigt, dass bereits heute 65% der KMU ESG zur Prozessoptimierung und Kostensenkung nutzen. Die Harmonisierung von Berichtspflichten (CSRD & LkSG) vermeidet zudem redundante Aufwände und steigert die Effizienz der Verwaltung. Drittens festigt es die Position in den Lieferketten grosser Konzerne, die ihre Risiken minimieren müssen und daher konforme, verlässliche Partner bevorzugen.

Das Wachstum entsteht also nicht trotz, sondern *wegen* der Investition in Nachhaltigkeit und Compliance. Es ist das Ergebnis einer Strategie, die auf Qualität, Transparenz und Risikominimierung setzt – Faktoren, die in der neuen Marktlogik einen immer höheren Wert haben. Die Gewinnmarge wird nicht geopfert, sondern durch die Schaffung von Premium-Produkten, die Effizienzgewinne und den Zugang zu anspruchsvolleren, zahlungskräftigeren Märkten geschützt und ausgebaut.
Um diese strategischen Vorteile voll auszuschöpfen, besteht der nächste logische Schritt darin, eine detaillierte Analyse durchzuführen, wie diese regulatorischen Hebel auf Ihr spezifisches Geschäftsmodell angewendet werden können. Beginnen Sie noch heute damit, Compliance nicht als Last, sondern als Ihre grösste Chance zu begreifen.
Häufige Fragen zu den finanziellen Auswirkungen der EU-Regulierung
Was ist der Unterschied zwischen CSRD und LkSG?
Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist eine Berichtspflicht, die vorschreibt, *worüber* Unternehmen in ihrem Lagebericht berichten müssen, insbesondere nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Das LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) definiert konkrete *Sorgfaltspflichten*, die ein Unternehmen umsetzen muss, um Menschenrechts- und Umweltverstösse in seiner Lieferkette zu verhindern (z.B. Risikomanagement, Beschwerdeverfahren). Die CSRD-Berichterstattung kann die LkSG-Berichtspflicht ersetzen, nicht aber die Erfüllung der Sorgfaltspflichten selbst.
Welche Unternehmen sind konkret von der CSRD betroffen?
Ein Unternehmen ist von der CSRD betroffen, wenn es mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt: mehr als 250 Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt, eine Bilanzsumme von über 25 Millionen Euro oder Nettoumsatzerlöse von über 50 Millionen Euro. Die Berichtspflichten treten gestaffelt in Kraft, beginnend mit den Geschäftsjahren ab 2024 für bereits zuvor berichtspflichtige grosse Unternehmen.
Gibt es staatliche Förderungen für die Umsetzung der CSRD-Anforderungen?
Ja, die für die CSRD-Umsetzung notwendigen Investitionen in Digitalisierung, Software und Prozessoptimierung sind oft förderfähig. Insbesondere die Programme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), wie der „ERP-Förderkredit Digitalisierung“, bieten zinsgünstige Darlehen und teilweise auch Tilgungszuschüsse. Es ist ratsam, auch länderspezifische Förderprogramme zu prüfen.